AfD: Die Schlacht der letzten Männer

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Jack Donovan, Foto: Zachary O. Ray

Björn (oder Bernd?) Höckes Suche nach seiner, nach unserer Männlichkeit, vorgetragen in bester Göbbels-Manier, hatte etwas Episches. Zart und aufwiegelnd zugleich, traurig ob des Verlusts und hoffnungsfroh, die kollektive Erektion doch wiederzufinden, irgendwo zwischen Donau und Oder – oder doch Memel? Wo auch immer sie sich versteckt hält; Höckes nur aus Versehen nicht gereimte Aufforderung, unsere Männlichkeit zu suchen, verdichtet ein zentrales Merkmal der reaktionären Bewegung, die mit der AfD ihren parlamentarischen Arm gefunden hat: Die alten Macker kämpfen um Anerkennung und wollen ihre alte Mackerwelt zurück.

„Männer, Macht und Mythen“ heißt ein Buch von Jack Donovan, Typ Stiernacken mit dicken Oberarmen und prolligen Tattoos, das in der für rechtsintellektuell gehaltenen Zeitschrift „Sezession“ prominent beworben wird. „Donovan fordert die Rückeroberung maskuliner Ideale“, klärt der Werbetext auf. Es geht um eine „Re-Polarisierung der Geschlechter. Evolution und Geschichte zeigen das Konkrete des Mannes und seine Bestimmung.“ Das Buch muss man, welch Überraschung, nicht lesen. Wenn Evolution, Geschichte und Geschlecht in einem Text verhandelt werden, ist biologistischer Kram programmiert. Donovan, der es mit Schwulenfeindlichkeit und Machogehabe weit gebracht hat, ist offenbar der Typ Mann, der Höcke gern wäre.

Das teilt er wahrscheinlich mit vielen Genossen in seiner Partei. Mehrheitlich alte Männer mit Fleischmütze, übersättigt und frustriert (siehe dieses eindrucksvolle Video), weil sie die neue Welt nicht verstehen. Und von Frauen regiert werden. Früher gab es das nicht. Alexander Gauland ist für all das der Prototyp, die Ikone einer verschrumpelten Männlichkeit.

Was Höcke und die anderen mit ihrem Verweis auf die Männer wollen, ist viel zu einfach, um ausgiebiger diskutiert zu werden. Wer eh schon die falsche Überblendung von Gesellschaft und Natur vornimmt, wer Deutschland für ein organisches Wesen hält, der überrascht wenig damit, die Männlichkeit mit wehrhaft und stark zu assoziieren. Seit Klaus Theweleits „Männerphantasien“ wissen wir, welch enge Bande eine politisierte Männlichkeit und Faschismus pflegen – gerade dann, wenn das Männliche eine narzisstische Störung verdecken soll.

Ganz passend dazu geht der Rekurs auf die alte Männerwelt und Männlichkeit beständig schief. Mal mit allen Stereotypen gefaselt: Gerade die Menschen aus dem nahen Osten, so wird jedenfalls üblicherweise kolportiert, schleppen doch ein vergleichsweise machistisches Männerbild ins Land. Der Islam und vor allem sein politisiertes Zerrbild triggert die Männerphantasien der alten AfD-Galauen: Familiäre Strenge, unzweifelhaftes Diktat des Mannes usw. „Psychoanalytisch gesehen“, erklärt Ulrich Bröckling, „ist offenkundig: Was am meisten verdammt wird, ist zugleich Objekt heftigen Begehrens; und sei es nur ein Begehren, darüber zu reden. Sich aufzuregen und laut zu echauffieren, ist auch eine Art des Sich-Aufgeilens.“

Und nun beklagt sich Hannah Lühmann in Die Welt auch noch, dass Linke keine Eier haben. Sie meint das gut und wirbt für linksmachistische Bilder, um den Rechten Punk und Coolness zu entreißen. Was das nun wieder soll? Die linken Eier sind dann aber bitte freiland und bio? Vorschlag zur Güte: Lassen wir das Gefasel von Männern und Eiern dem Altherrenklub AfD (und Oliver Kahn). Politik jedenfalls, die eine Idee von Aufklärung und Progress, von Vielheit und Anerkennung hat, steht nicht vor dem Spiegel im Fitnessstudio. Vielleicht finden dort Höcke, Gauland und Co. ihre Männlichkeit, ganz wie Jack Donovan. Wohl an, lasst die Hanteln sprechen! Wir machen derweil weiter Witze über Chuck Norris.

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