Lasst Opa brabbeln: Warum Gauland nicht das Problem ist

Gauland_Zuschnitt
Bild: Metropolico.org, CC BY-SA 2.0

Das Offensichtliche zuerst: Alexander Gauland ist ein nationalistischer Scharfmacher, der Hitler gern rechts überholen will. Sein Geschichtsbild ist ekelhaft und revisionistisch, und seine jüngsten Aussagen zur deutschen Geschichte provozieren amtlichen Brechreiz. Aber das Problem ist nicht er, weshalb die Aufregung um seine Aussagen einigermaßen ungeschickt ist. Zwei Dinge sind bedeutender als die letztlich immer gleiche provokante Leier von Gauland und seinen Mitstreitern: Einerseits bedient er sich eines lästigen Reiz-Reaktionsschemas, das vor allem ihn und seine Partei im Fokus der Aufmerksamkeit hält. Andererseits spitzt er nur einen Gedankengang oder eine Deutung zu, die selbst im bürgerlichen Lager selbstverständlich ist: Die Erzählung vom gesunden Nationalismus. weiterlesen

WdbB: Frühsexualisierung

Die Differenzen zwischen besorgtem Wunschbild und Wirk­lichkeit sind groß. Das trifft nicht zuletzt auf die Vorstellungen vom richtigen und frommen Privatleben zu. Während der feuchte Traum besorgter Bürger und Eltern (besorgte-eltern.net) jener einer monogamen Ehe mit drei Kindern ist, sieht die Lebenswirklichkeit um einiges komplizierter aus − auch jene der Besorgten selbst. Als 2015 die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg einen neuen Bildungsplan vorzustellen gedachte, der vorsah, »Schülerinnen und Schülern (…) die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit LSBTTI-Menschen« näherzubringen, schlugen die Wellen hoch. Das konservativ-reaktionäre (und teils das christliche) Lager sah sich einer Wiederkehr der 68er-Promiskuität ausgesetzt und versammelte sich hinter der Kampfvokabel »Frühsexualisierung«. weiterlesen

AfD, Seehofer etc. in einem Satz

Dubiel-Loewenthal-umgekehrte-Psychoanalyse

WdbB: Abschiebeverhinderungsindustrie

aschiebeverhinderungsindustrieMan muss Rainer Wendt Respekt zollen. Kaum jemand sonst hatte sich derart festgebissen im deutschen Talkshowgeschäft. Woche für Woche polterte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG) gegen die aufgeklärte Welt und redete ihren Untergang herbei. Nur die ganz harte Hand könne noch helfen. Dabei gelang es Wendt, als Gesicht der ganzen Polizei aufzutreten, obwohl seine durchaus umstrittene Gewerkschaft mit 94.000 Mitgliedern deutlich kleiner ist als die Konkurrenz, die Gewerkschaft der Polizei. weiterlesen

WdbB: Schuldkult

9. November 2015, Dresden: Zum Jahrestag der Reichspogromnacht forderte Pegida den Schluss­strich. »Lasst uns mit eurem Schuldkult für die Vergangenheit, für die keiner von uns hier die Verantwortung trägt, endlich in Ruhe!«, schallte es von der Bühne. Der Termin ist makaber, die Wortverwendung entlarvend. Schuldkult wird von der extremen Rechten seit Langem als »psychotisches Krankheitsbild« (so der verstorbene Nazi Jürgen Rieger) attestiert. Er funktioniert wie die Nazikeule als doppelte Unterstellung: Man schiebt den anderen etwas unter, um es ihnen dann vorwerfen zu können. weiterlesen

Gemeinsame Erklärung zur Sendung „Dienstags direkt“ des MDR Hörfunk

Gemeinsame Erklärung von Kerstin Köditz und Robert Feustel

Wir haben unsere Teilnahme an der heutigen @MDR_SN-Sendung „Dienstags direkt“ abgesagt. Angefragt waren wir zum Thema „politische Korrektheit“. Unseres Erachtens ist das ein Kampfbegriff der Rechten, und unser Ziel war, ihn nicht unwidersprochen zu lassen. Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist.

Auf das Konzept der Sendung, den Tenor der Ankündigung und weitere Gäste hatten wir freilich keinen Einfluss. Jene kritischen Stimmen liegen richtig, die grundsätzlich fragen, warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind.

Wir danken denen, die uns zeitnah und sachlich sensibilisiert haben. Der von (weiteren) Beleidigungen nur so gespickte „Shitstorm“ ringsum ist dagegen sinnlos und unwürdig.

Ressortleiter „Hetze“ – gesucht und gefunden?

Gastbeitrag von Tobias Wilke

FotoJetTag24WTFnewDass Tag24 herzlich wenig vom eigentlich zwingenden Konjunktiv hält, sobald es um vermeintliche Nichtdeutsche geht, die irgendwie im Zusammenhang mit einer möglichen Straftat stehen könnten, hat dem Onlinekäseblatt bereits zu trauriger Berühmtheit im Fake-News-Atlas Hoaxmap.org verholfen – der Artikel über eine vermeintliche Vergewaltigung durch „südländische Typen“ am „helllichten Tag in Dresden“ gilt als regionaler „Klassiker“ unter den journalistischen Sorgfältigkeitspflichtverletzungen. Nun hat einer der sächsischen Tag24-Onlineautoren einen blitzsauberen Hat(e)trick hingelegt … weiterlesen

WdbB: Asylindustrie

Eigentlich treibende Kraft hinter der Flüchtlingskrise ist die Asylindustrie. In gewissen Kreisen etablierte sich die zeitgemäße Notwendigkeit, auf jede Meldung zu fragen: »Cui bono?« Nur wer erkennt, wem der Lauf der Ereignisse in die Taschen spielt, erkenne auch, was wirklich los ist. Industrie kann erst mal ein neutrales Wort sein und eine bestimmte, eben industrialisierte Produktionsform meinen oder einen Wirtschaftszweig. Im letzteren Fall kann sich ein negativer Beiklang einstellen, wenn etwa die Musikindustrie beklagt wird, die weniger auf den künstlerischen Wert achtet als auf Chartplatzierungen. Der Vorwurf des schnöden Geldverdienen-Wollens steht bei Asylindustrie im Vordergrund. Hier hat man sich gierige Profiteure vorzustellen, die rücksichtslos mit Blick aufs eigene Konto an der Füllung des selbigen arbeiten. weiterlesen

Zucker für die Affen: Tag24 und die erfundenen 670 Prozent mehr Vergewaltigungen

tag-24-fb-670-ProzentDa wird die Volksseele kochen: Tag24, Boulevard ohne Journalismus, berichtet, dass im Raum Leipzig die Zahl der Vergewaltigungen um 670 Prozent und damit drastisch gestiegen sei. Das Blatt bemüht die aktuelle Kriminalstatistik und singt verbittert mit im Chor derer, die tagein tagaus davon faseln, wie schlimm die Welt doch mittlerweile angeblich ist. Zusammen mit einem anderen Text zur Gesamtzahl der Straftaten schraubt sich die fälschlich Zeitung genannte Sammlung von Dummheiten ein weiteres Treppchen die Angstspirale hinauf. Blöd ist nur, dass das Blatt mit dem letzten Fünkchen Seriosität den Fehler selbst zugibt: Einen Anstieg gab es nicht. weiterlesen

WdbB: Gutmensch

»Der größenwahnsinnige Herrenmensch ist zurück«, hieß es von Pegidas Bühne. Er komme heute als Gutmensch daher. Nun ist Tucholskys Spruch »Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint« allbekannt, wie aber konnte der gute Mensch zum Feindbild werden? weiterlesen