WdbB: Nazikeule

nazikeuleDie Nazikeule ist ein doppelt imaginiertes Schlagwerkzeug. Als buchstäbliche Kampfvokabel dichten es die Besorgten allen Kritikern an; zumindest all jenen, welche die reichlich vorhandenen Verbindungslinien besorgten Denkens zu völkisch-nationalem und faschistischem Denken offenlegen. Statt Kritik oder Argumente vorzutragen, würden bevorzugt Gutmenschen permanent und pauschal die entsprechende Keule schwingen, um mit ihr die Wahrheit zu zerschlagen und alle Argumente mit der angenommenen Nähe zu Nazis zu delegitimieren. Die hier versammelten Texte [also die des Wörterbuchs] sind so gesehen alles kleine Keulen. weiterlesen

Die lustigen Gesellen vom sächsischen Verfassungsschutz

Jetzt muss sich Jan Böhmermann warm anziehen. Die Satiretruppe vom sächsischen Verfassungsschutz hat eine neue Folge, sprich einen Jahresbericht veröffentlicht. Die Ausführungen zum Jahr 2016 strotzen vor humoristischen Passagen und komischen Pointen. Dabei rutscht den Autoren kein noch so kleines Lächeln über das Gesicht. Die ernsthaft ironische Fassade ist so perfekt. Vier Schmankerl haben wir herausgegriffen. weiterlesen

Bahnbrechende Erkenntnisse der Verhaltenstherapie

Was man nicht alles lernt in Büchern (und was tatsächlich gedruckt wird, in diesem Fall sogar in der zweiten, neu bearbeiteten Auflage).

Verhaltenstherapie

Patzelts Auto: Wer es wirklich war, ist egal

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Als vor einer Weile in Dresden ein Sprengsatz vor einer Moschee gezündet wurde, hielten sich die Behörden lange bedeckt. Man wolle kein vorschnelles Urteil fällen. Als dann ein augenscheinlich gefälschtes Bekennerschreiben auftauchte, gingen Ulbig und seine Leute dieser „Spur“ so lange nach, bis das Offensichtliche bestätigt war. Bei unzähligen Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen war zudem zunächst kein politisches Motiv zu erkennen, in manchen Fällen auch nach dem Gerichtsprozess nicht. Und nun brannte Werner Patzelts Auto, und alle wissen, wer es war. weiterlesen

WdbB: Volk

volkVom Volk sprechen heißt, eine Kampfzone zu betreten. Gerade mit dem abgenutzten Spruch »Wir sind das Volk« schreibt sich in die Debatte eine gefährliche Geste der Universalisierung ein, steckt in ihr doch die falsche Annahme, für alle, für das ausgeschlossene Ganze des Volkes zu demonstrieren. Das verleiht den besorgten Bürgern ihre Aggressivität: Sie glauben vermutlich eher instinktiv als absichtlich, auch alle anderen Volksgenossen zu repräsentieren und werden umso wütender, wenn diese sich nicht einfach vereinnahmen lassen. weiterlesen

Drugs and Strangers: Tödliches Cannabis vom Flüchtling?

512px-Three_space_browniesDer Polizeibericht klingt hammerhart, und die national-besorgten Seelen reiben sich genüsslich die Hände: In einer Bremer Unterkunft für Geflüchtete seien zwei Frauen im Alter von 25 und 62 Jahren zu Schaden gekommen. „Ein 16 Jahre alter Bewohner der Unterkunft“, heißt es im Bericht, den Tag24 beinahe eins zu eins in einen Artikel verwandelte, „lud die beiden Mitarbeiterinnen zum Kuchenessen ein. Kurze Zeit nach dem Verzehr klagten die Frauen über starken Schwindel und Übelkeit und wurden in Krankenhäuser eingeliefert.“ weiterlesen

„Zu leiden selbst muss er lernen“: Leipziger CDU-Schüler auf de Maizières Spuren

Leonhardt-JU-LeipzigEin Leipziger Abiturient sorgt für Aufsehen. Mit 17 Jahren schon altklug und abgetakelt, spielt der die Rolle des unaufgeregten sachlichen Beobachters, der anders als seine Mitschüler nicht gefühlsduselig, sondern abgeklärt und besonnen ist. Die anstehende Abschiebung eines Jungen aus seiner Schule kommentiert er entsprechend kalt. Dabei stützt er seine scheinbare Überlegenheit auf einen falschen Begriff und outet sich als Treibhauspflanze. weiterlesen

No Ears for Krauts: Der Islam als Lieblingsfeind

neue-sorgeEs ist schon erstaunlich, was für Texte dieser Tage tatsächlich noch als „links“ durchgehen. Ein Bilderbuchexemplar eines reaktionären Pamphlets, das es irgendwie geschafft hat, für links gehalten zu werden, erschien in der Februarausgabe des CEE IEH, verzapft von der einschlägig bekannten Gruppe No Tears for Krauts. Es wird wild pauschalisiert und im Duktus der Allwissenheit über die Motive und Hintergründe von Menschen geurteilt. Diese herrisch auftrumpfende Haltung tritt selbst die Mindeststandards der Differenzierung mit Füßen. weiterlesen

Replik zu: „Gummimuschis und Bürgerwehren“

Ein Text ein Thema, sagt ein alter Spruch. Die heute beim Student! veröffentlichte Besprechung, die sich – insgesamt durchaus positiv – mit der Lesung aus dem Wörterbuch des besorgten Bürgers beschäftigt, hat diesem Ratschlag nicht Rechnung getragen. Abseits des Gegenstandes verhandelt der Text die bereits aus dem Herbst 2016 stammende Debatte um das Statement des Conne Island und eine Reaktion, die auf dem Sprachlos-Blog veröffentlicht wurde. weiterlesen

Westliche Feierkultur oder: Vom „Föttchesföhlen“

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Screenshot von foetchesfoehler.de

Die mittlerweile so übliche wie schroffe Unterscheidung von denen dort und uns hier – das Gerede von den Kulturen also – hält einem genaueren Blick nicht stand. Auch die Feierkulturen zersplittern in unzählige Varianten mit diversen, mehr oder weniger problematischen Ausprägungen. In Tunis, Istanbul oder Kairo steigen mitunter die freakigsten Elektrosausen, nicht selten unter schwierigen Rahmenbedingungen. Die globale Kulturindustrie kennt in diesen Dingen kaum Grenzen; ähnlich wie der Turnschuh der Goldenen Zitronen. Neben den bekannten Mustern religiöser Prägungen, die ohne Zweifel Differenzen und Eigenheiten produzieren, spielen auch in diesen Regionen der Welt soziale Unterschiede eine gewichtige Rolle. Etwa arm und reich, Stadt und Land oder alt und jung. weiterlesen