Fundstück: Living in der Texterhölle

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Kleine Unstimmigkeit, gefunden am Zwenkauer See (Foto: Tobias Prüwer)

Maßlose polizeiliche Selbstgerechtigkeit

loepki_detailNach bisherigem Kenntnisstand vergriffen sich zwei Polizeisprecher im Ton. Anstatt in einer Pressemeldung die Polizeisicht auf sexualisierte Gewalt und das Geschehen ringsum sachlich-neutral wiederzugeben, maßen sich die beiden eine politische Bewertung an. Und überschreiten damit ihren Kompetenzbereich.

Auf den sexualisierten Übergriff am 4. März im Conne Island gibt es zwei Sichtweisen. Das ist nicht überraschend. Der Club selbst schildert ihn so, die Polizei schreibt dies (nach unten scrollen). Es fallen hingegen die Überschrift „Merkwürdiges Connewitzer Inselleben“ und folgende Bemerkungen im Polizeibericht auf: weiterlesen

WdbB: Flüchtlingswelle

bild_fluechtlingswelleFließ- und Wassermetaphern sagen viel aus über jene, die sie verwenden, aber nichts über das, was als wellenbewegt beschrieben wird. Das Verdrängte schwappt über. Ob Gida-Gegendemos als losgelassene Wellen der Gewalt deklariert oder einzudämmende Flüchtlingsströme herbeigeredet werden: Solche Beschreibungen transportieren Be­unruhigendes, weil sie mit tief verwurzelten Bedrohungsbildern operieren. Ströme, Fluten, Wellen stehen für irgendetwas gesichtslos in Masse Auftretendes. Angelehnt an Naturkatastrophen wird suggeriert, es passiere Ungeheuerliches, dem man am bestem mit dem Äußersten begegnet. weiterlesen

Björn Höckes NS-Munitionierung

Er beschwört eine „tausendjährige Zukunft“, nennt Regierende „Volksverderber“ und will „Tat-Elite“ sein. Björn Höckes Vokabular ist mehr als auffällig. Zwischen gewundenen Formulierungen, heroischem Kitsch und weinerlichem Pathos steckt aber allerhand rhetorische Fundmunition. Die Blindgänger aus NS-Zeiten sind keine Zufallsprodukte, dafür kommen sie zu oft vor. Eine ganze Ladung davon hat Andreas Kemper fürs Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung analysiert und historisch verortet.

„Zur NS-Rhetorik des AfD-Politikers Björn Höcke“

Stadtfest-Mischpoke

Goethe mischte sich auch nur kurz unter die Sachsen
Goethe mischte sich auch nur kurz unter die Sachsen

Sächsische Zeitungs-Zustände: Ja, manchmal muss es schnell gehen, eine Nachricht noch fix raus und auch Journalisten wollen in den Feierabend. Aber kann das als Erklärung für folgende Aussage über Nazi-Schikanen auf dem Löbauer Stadtfest gelten? Oder war das doch eher ein Freudscher? Der Autor schreibt: „Demnach sollen am Stadtfest-Freitagabend offenbar rechtsgerichtete Personen die Gesichter von Flüchtlingen abfotografiert haben, die sich unter die Stadtfestgäste gemischt hatten.“ weiterlesen

Fundstück: Nichts von Bedeutung

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Shirt: 15 € – Metal-Poesie: priceless. (Schnappschuss vom Party.San Open Air: Tobias Prüwer)

Fundstück: Die Sprache der Liebe

Detail an der Hubbrücke in Magdeburg (Foto: Tobias Prüwer)
Detail an der Hubbrücke in Magdeburg (Foto: Tobias Prüwer)

Westgotisches Ahnenerbe

1228„Neapel bleibt unser! Für ein Deutschland in den Grenzen von 1228“: Die Fallstricke der historischen Argumentation drückt der Antifa-Sticker aus den Neunzigern vorzüglich aus. Projektionen eines „Wir“ in einen bestimmten Raum und zu einer bestimmten Zeit lassen ziemlich alles möglich werden. Mit dem Ruf nach „Reconquista“ zeigt das ethnopluralistische Denken ein solches geschichtsklitterndes Vorgehen. Dabei ist nicht nur die Bezugnahme auf die „Rückeroberung“ des christlichen Spaniens von Muslimen durch christliche Spanier schief. Der Begriff in sich selbst ist eine historische Konstruktion zur identitären Sinnstiftung. weiterlesen

Drohen, wünschen, hoffen

ramelow„Erneut Todesdrohung gegen Ramelow“, überschrieb die Thüringer Allgemeine einen kurzen Text über eine vermutete Mordandrohung an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Daran sind gleich zwei Aspekte unsauber. weiterlesen

Halbseidenes Beschreibungsgeschäft

halbseidenLegal, illegal? Scheißegal: diese lumpigen Briefkastenfirmen. – „Halbseidene Geldgeschäfte“ nennen Focus & Co. die durch die Panama Papers aufgedeckten Unternehmungen. Das ist ein hübscher Versuch der Verschleierung, wessen Charakters denn nun die Geschäfte sind. Pauschal illegal sind Briefkastenfirmen offenbar nicht. Da man das aber ungern so offen schreibt, muss eben ein Adjektiv her, das der Sache etwas Schmieriges und Zwielichtiges verleiht. Da kommt das schillernde Attribut „halbseiden“ gerade recht.

Dabei meint Halbseide zunächst nur Gewebe, das in einer Fadenrichtung aus Seide besteht, in der anderen nicht. Kartoffelklöße, weiterlesen