Patzelts „grobe Fehler“

Patzelt_LVZWerner Patzelt, Professor der TU Dresden, hat es wieder getan: Schuldumkehr. Und die Leipziger Volkszeitung folgt ihm blind. In einem Beitrag mit dem mindestens verfänglichen Titel Experte: Pegida wächst durch Flüchtingskrise (LVZ vom 7. Oktober 2015) verdreht er so geflissen wie selbstverständlich Kausalitäten und bagatellisiert eine undemokratische Bewegung.

Schon die Überschrift legt eine falsche Spur, auch wenn Patzelt auf diese wenig Einfluss gehabt haben dürfte. Sie deutet an, dass die Flüchtlinge die Ursache für Pegida sind. Besonders in Dresden ist das ein abenteuerliches Argument, und es kratzt bestenfalls an der Oberfläche. Gerade die Politikwissenschaft sollte, wenn sie ihr Fach nicht der Lächerlichkeit preisgeben will, tiefer schürfen und nicht in den drögen Chor einstimmen, den das Untersuchungsobjekt selbst anstimmt. Dass Flüchtlinge (und Ausländer insgesamt) Schuld an der Misere hätten, gegen die man auf die Straße müsse, ist ja gerade die Behauptung der Dresdner Rechtsausleger.

Warum Pegida jetzt wieder Zulauf hat, beantwortet Patzelt ähnlich einfältig und unwissenschaftlich: Es sei ein „grober Fehler von Politik und Medien“ gewesen, die Demonstranten nicht ernst genommen und nicht politisch auf sie reagiert zu haben. Erst der „Druck der Tatsachen“ habe in jüngster Zeit zu einer Anpassung geführt, etwa die Verschärfung des Asylgesetzes. Jetzt allerdings, so Patzelt und die LVZ, sei das Kind in den Brunnen gefallen, weil Pegida mittlerweile verhärtete Positionen beziehe und sich gegen das System stelle. Als wäre das Dresdner Volk anfänglich handzahm gewesen.

Die Logik der Argumentation ist nicht nur flach und Meilen davon entfernt, wissenschaftlich zu sein. Sie ist auch dreist und verharmlosend. Hätten Politik und  Medien gleich und vollmundig rassistische Hetze betrieben, hätten sie gleich angefangen, die „Islamisierung des Abendlandes“ zu verhindern und wären auf den menschenverachtenden Zug einer rechtsradikalen Bewegung aufgesprungen, dann hätten sie Pegida die Luft abgelassen; sie hätten ihr die „Mobilisierungskraft“ geraubt. Wenn sich die Politik also selbst faschisiert hätte, gäbe es montags keine Demonstrationen. Lutz Bachmann, bekanntlich Kopf der Truppe, sprach von Anfang an von „Gesindel“ und „Viehzeug“, wenn er Migranten meinte. Die langen Interviews, die der NDR beisteuerte und die nur so vor Ressentiment und rassistischer Abscheu trieften, klingeln auch noch in den Ohren. Und dem „Politikwissenschaftler“ Patzelt fällt nichts Besseres ein, als Politik und Medien mangelnde Gefolgschaft vorzuhalten. Das gleicht, mit Blick auf demokratische Werte, einem Suizid aus Angst vor dem Tod.

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