Von „fremden“ Fahrrädern

Biomare_AdaptionEr hat es wieder getan. Malte R., Inhaber einiger Bioläden in Leipzig, stänkert. Nachdem er indirekt alle außer sich und seine Kunden für die Schieflagen des Kapitalismus verantwortlich machte (siehe hier), ist ihm vermutlich wieder langweilig. Deshalb hat er Aufkleber produzieren und auf die vor seinem Laden befindlichen Fahrradbügel kleben lassen (oder selbst geklebt). Diese kündigen an, dass  „fremde Fahrräder“ kostenpflichtig entfernt werden. Wie auch immer die rechtliche Lage ist: Sympathiepunkte gibt es dafür kaum. weiterlesen

Das Ding mit den Scheuklappen

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Foto: Baden de, Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Man solle endlich die Scheuklappen ablegen, heißt es dieser Tage gern – besonders wenn wahrheitsliebende und daher besorgte Bürger auf vermeintlich verbohrte Gutmenschen treffen. Letztere seinen ideologisiert und würden nur sehen, was ihnen buchstäblich geradewegs vorgesetzt wird. Wer so argumentiert, lässt tief in die populistische Seele blicken. Die Rhetorik von den Scheuklappen, welche die anderen tragen würden, suggeriert fast unbegrenzte Weitsicht auf der einen und die Notwendigkeit zur Domestizierung auf der anderen Seite. weiterlesen

WdbB: Faschismus

Der Faschismus gilt den Besorgten als ziemlich genau das, wovon sie sich abgrenzen: von Linksfaschisten auf der Straße, vom Merkel- oder EU-Faschismus. Aus Leipzig ist der Ausspruch eines Gida-Teilnehmers überliefert, dass »in einer Faschistenrepublik wie Deutschland alles erlaubt« sei. Grund: Die Polizei wollte eine Sitzblockade nicht unmittelbar räumen. Seit seinem bitteren KZ-Witz wähnt sich auch Akif Pirinçci, Lautsprecher nationalistischer Migranten, im »puren Faschismus«. Selbst die Abkürzung Antifa bedeute eigentlich »antideutsche Faschisten«, wie Ex-Legida-Frontmann Markus Johnke behauptete. Das Wort kommt, ähnlich wie Nazi, beharrlich als Fremdzuschreibung zum Einsatz − für alles Böse und Verdorbene, also für alle, die nicht besorgt mitflöten. weiterlesen

Schaum vorm Mund: Der neue politische Duktus nach Hamburg

sueden3Nach dem G20-Gipfel ist die Stunde ganz neuer Tabus und ungeahnter Wendungen in der Hysteriespirale gekommen. Von der Polizei sprechen darf nur, wer diese ausschließlich zu Helden verklären möchte. Von Grundrechten, die auf dem Altar der Gipfelidylle geopfert wurden, ist nichts mehr zu hören und auch nichts von den Widersprüchen in der Einsatzstrategie: weiterlesen

Wer lügt, klärt auf: Professor Norbert Bolz und das Schweigekartell

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Links Bolz und rechts Hahne

Das Geraune der alten Männer lässt nicht nach. Bereits Ende April 2017 hatte Norbert Bolz, arrivierter Medien- und Kommunikationstheoretiker von der TU Berlin, an einer Talkrunde bei Phönix teilgenommen und von einer Medienverschwörung schwadroniert. Er nimmt das Wort freilich nicht in den Mund, glaubt aber fest daran, die Medien würden – kollektiv und bisweilen auf Anweisung – zur Ausländerkriminalität schweigen. Am Ende versteigt sich Bolz sogar dazu, Falsches für Aufklärung zu halten. Die allgemeine Paranoia hat den nächsten Wissenschaftler erreicht. weiterlesen

Krahs Terrorkumpels: AfD-Politiker erledigen die Propagandaarbeit der Terroristen

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Foto: Achim Raschka / CC-BY-SA-4.0 (Original: //commons.wikimedia.org/wiki/File:13-06-07_RaR_ADTR_01.jpg)

Die Partygäste bei „Rock am Ring“ ließen sich nicht einschüchtern. Sie haben das gemacht, was eine freie Gesellschaft tun kann: weiter feiern. Dieser Umstand trieb Maximilian Krah, ehemals CDU und mittlerweile AfD, offenbar die Zornesröte ins Gesicht. Nur wenige Musikfreunde „kapieren“, dass die „Masseneinwanderung aus dem Orient und Afrika unsere bisherige Art zu leben nicht mehr zulassen“, kommentierte er erbost. Faktisch war zwar nichts passiert, und mittlerweile dringt ans Licht, dass es ein Fehlalarm gewesen sei. Dies ändert schließlich nichts an Krahs Hetze und zeigt deutlich, dass er, und mit ihm seine Parteikollegen, den kommunikativen Teil des Terrors selbst übernommen haben: Die einen töten Menschen, die anderen üben Druck auf die Gesellschaft aus – jeweils mit dem gleichen Ziel. Eine schräge, gefährliche Allianz. weiterlesen

Niemand muss abschieben, auch kein Polizist

Zwei brutale Fälle von Abschiebungen erregen zu Recht die Gemüter. In Nürnberg und in Duisburg wurden unlängst junge Menschen aus Schulen geholt, um in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden. Dabei ist der Begriff Heimatland schon eine Zumutung: Die erst 14-jährige Bivsi R., in Deutschland geboren und aufgewachsen, wurde nun in das Land ihrer Eltern nach Nepal gebracht. Es braucht wahrlich keine ausgefeilten analytischen Fähigkeiten, um zu erkennen, was für die Schülerin Heimat sein dürfte. Genauso offensichtlich ist die Absurdität, Menschen an die Scholle ihrer Vorfahren zu binden. Dahinter steckt ohne Umwege die Idee von einem biodeutschen, reinrassigen Land. Nicht nur unzeitgemäß, sondern inhuman und brutal. Diese zum Himmel schreiende Differenz von Recht und Gerechtigkeit wird schließlich allzu gern damit legitimiert, die Ordnung durchsetzen zu müssen. Und Polizisten tun nur ihre Pflicht? Das stimmt nicht. Wer sich an dieser Form von Abschiebungen beteiligt, macht sich mitschuldig. weiterlesen

WddB: Identität

In pathetischer Prosa dreht sich das Identitätskarussell seit einigen Jahren mit der Identitären Bewegung in eine weitere Pirouette hinein: »Unsere Generation ist das Opfer der 68er (…). Wir lehnen die Geschichtsbücher ab (…). Wir sind die Bewegung, die auf unsere Identität, unser Erbe, unser Volk und unsere Heimat schaut und erhobenen Hauptes dem Sonnenaufgang entgegengeht!« Im Abwehrkampf einer »Selbstabschaffung« Deutschlands gibt diese Gruppe die Wacht am Rhein − und bedient rassistische Ressentiments. Der Besorgtenrest tut es ihnen gleich. weiterlesen