Heimatschutz mit Unkrautex: Neophyten

suedenWenn in Mozarts „Sehnsucht nach dem Frühling“ auch am Bache kleine Veilchen erblühen, sind hoffentlich weder Blaues noch Wohlriechendes Veilchen darunter. Denn die gelten einigen Wald- und Wiesenfans als abartig. Sie sind nämlich Immigranten und die deutsche Arche ist voll: So lugt florale Fremdenangst hinter vorgehaltener Hand hervor. weiterlesen

WdbB: Heimat

»Der sehr deutsche Begriff Heimat klingt harmlos. Doch progressiv besetzt werden kann er nicht«, argumentierte Patrick Gensing in der taz und verwies unter anderem auf die Nazikameradschaft Thüringer Heimatschutz, Forderungen besorgter Bürger, die Band Frei.Wild und den unter dem Begriff Neue Heimat firmierenden Siedlungsbau der Nazis. Die hässliche Schlagseite des Wortes spiegelt sich auch im niedlichen DDR-Pionierlied Unsere Heimat. Zuerst wird dort ein idyllisches Bild von Natur und Kultur gezeichnet, die Heimat dann aber nicht wegen ihrer Eigenqualitäten für schützenswert erklärt, sondern »weil sie unserem Volke gehört«, wie das Lied in höchsten Tönen kulminiert. In einer solchen Lesart von Heimat steckt immer auch Blut und Boden, die unverbrüchliche Verknüpfung von Menschen mit ihrer Umgebung, Unveränderlichkeit und die notfalls bewaffnete Verteidigung der Scholle ( Volksgemeinschaft). weiterlesen

Ciao SPD: Nahles und die Kampfrhetorik

german-angstZugegeben: Es war nicht anders zu erwarten. Aber ganz heimlich hatte möglicherweise der ein oder andere gehofft, die SPD (eine kleine, früher sozialdemokratische Splitterpartei, a.d.R.) würde sich nach der Bundestagswahl neu aufstellen und nicht immer wieder in die gleiche Falle tappen. Doch weit gefehlt. Nicht mal eine Woche nach der Wahl bläst Andrea Nahles, gegenwärtige Konkursverwalterin der SPD-Fraktion im Bundestag, ins Horn der reaktionären Kräfte. Auf dass die Wähler die SPD für ihre reaktionäre Parodie wählen mögen. weiterlesen

WdbB: Rasse

rasseDie »sozialräumliche Häufung menschlicher Erbmerkmale im Sinn einer Formengruppe« (Wörterbuch der Ethnologie) lässt sich nicht leugnen: Wer in Nigeria geboren wurde, sieht aller Wahrscheinlichkeit nach anderen Nigerianern ähnlicher als beispielsweise einem Iraner. Fast alles, was über diesen banalen Befund hinausgeht, ist problematisch. Sowohl in Nigeria als auch im Iran, um kurz beim Beispiel zu bleiben, gibt es keine Übereinstimmung von Staatsbürgerschaft einerseits und Ethnizität, Sprache und Kultur an- dererseits. Auf genetischer Ebene finden sich innerhalb der Bevölkerung eines Gebiets mehr Unterschiede untereinander als zum Rest der Menschheit. Dies gilt nicht nur in interkontinentalen Transiträumen wie dem Iran, sondern auch bei den durch ihre Insellage und strenge Einwanderungsgesetze stärker isolierten Japanern. weiterlesen

Rasse mit Helm und Schlagstock

nocopsDie sächsische Polizei hat mal wieder einen rausgehauen.  Im Leipziger Stadtteil Connewitz spielte sich unlängst eine niedliche Posse ab. Auf einem Streetballplatz prangte der Schriftzug „No Cops“, was den Ordnungshütern, allen voran ihrem Häuptling Bernd Merbitz, übel zusetzte und kurzerhand übertüncht wurde. Weil manche Bewohner des Viertes das wohl albern fanden, wurden die zwei Worte erneut fein säuberlich an die Wand gesprüht und vom Ordnungsamt wieder entfernt. Das Spiel ging fünf Runden, bis die Polizei begann, den Platz 24/7 zu überwachen. Weil das erneut albern ist, twitterte ein User: „Hey @PolizeiSachsen so viel Aufmerksamkeit bei Flüchtlingsheimen, das wäre ne prima Sache“. Die Antwort der sächsischen Polizei ließ nicht lange auf sich warten: „Wenn es dort keinen Polizeirassismus mehr gibt, können wir uns auch um andere Sachen kümmern.“  Jo, da hat mal jemand in der falschen Begriffskiste gewühlt. weiterlesen

Das Politische Porträt: Der Heckenmann. Carsten Paul Hütter, AfD.

Die AfD in Sachsen wirkt, von Außen betrachtet, wie ein regelmäßig an der Realität scheiternder Automat zur Produktion von Widersprüchen.

Bildmontage von AfD-Check Sachsen
Bildmontage von AfD-Check Sachsen

Inzwischen dokumentiert eine Facebook-Seite die offensichtlichsten Fehler und falschen Behauptungen der sächsischen AfD. Die Widersprüche führen allerdings seltenst zu internen Auseinandersetzungen, Korrekturen oder Entschuldigungen. Die rechte Blase funktioniert, und bisher gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass sich das schnell ändern wird. Vor allem scheint die sächsische AfD im Landtag das Spiel mit Zahlen und Fakten gelernt zu haben, bedient ihre Klientel mit gewagten Behauptungen, die an der Realität scheitern und Provokationen, die regelmäßig für Empörung sorgen. weiterlesen

Von „offenen Debatten“ und „Vielheit“: Die Nebelkerzen der Identitären Bewegung

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Vielleicht bleibt das den echten Kulturdeutschen, allerdings ohne Senf (der kommt aus China).

Die Identitäre Bewegung (IB) macht allenthalben von sich Reden. Als Flaggschiff der Neuen Rechten (und damit durchaus anschlussfähig an konservativ-patriotische Kreise) generieren die Österreicher Aufmerksamkeit und spielen geschickt mit neuen Medien. Sie streuen rechtsradikales Gedankengut auf der Höhe der Zeit. Wir haben uns den Spaß gegönnt, eine kurze Passage von deren Homepage, das Mission Statement zum Thema Identität, unter die Lupe zu nehmen. Wenn sich der rhetorische Nebel verzogen hat, bleibt nur Widersprüchliches und Schräges übrig. weiterlesen

Von „fremden“ Fahrrädern

Biomare_AdaptionEr hat es wieder getan. Malte R., Inhaber einiger Bioläden in Leipzig, stänkert. Nachdem er indirekt alle außer sich und seine Kunden für die Schieflagen des Kapitalismus verantwortlich machte (siehe hier), ist ihm vermutlich wieder langweilig. Deshalb hat er Aufkleber produzieren und auf die vor seinem Laden befindlichen Fahrradbügel kleben lassen (oder selbst geklebt). Diese kündigen an, dass  „fremde Fahrräder“ kostenpflichtig entfernt werden. Wie auch immer die rechtliche Lage ist: Sympathiepunkte gibt es dafür kaum. weiterlesen

Das Ding mit den Scheuklappen

scheuklappen
Foto: Baden de, Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Man solle endlich die Scheuklappen ablegen, heißt es dieser Tage gern – besonders wenn wahrheitsliebende und daher besorgte Bürger auf vermeintlich verbohrte Gutmenschen treffen. Letztere seinen ideologisiert und würden nur sehen, was ihnen buchstäblich geradewegs vorgesetzt wird. Wer so argumentiert, lässt tief in die populistische Seele blicken. Die Rhetorik von den Scheuklappen, welche die anderen tragen würden, suggeriert fast unbegrenzte Weitsicht auf der einen und die Notwendigkeit zur Domestizierung auf der anderen Seite. weiterlesen

WdbB: Faschismus

Der Faschismus gilt den Besorgten als ziemlich genau das, wovon sie sich abgrenzen: von Linksfaschisten auf der Straße, vom Merkel- oder EU-Faschismus. Aus Leipzig ist der Ausspruch eines Gida-Teilnehmers überliefert, dass »in einer Faschistenrepublik wie Deutschland alles erlaubt« sei. Grund: Die Polizei wollte eine Sitzblockade nicht unmittelbar räumen. Seit seinem bitteren KZ-Witz wähnt sich auch Akif Pirinçci, Lautsprecher nationalistischer Migranten, im »puren Faschismus«. Selbst die Abkürzung Antifa bedeute eigentlich »antideutsche Faschisten«, wie Ex-Legida-Frontmann Markus Johnke behauptete. Das Wort kommt, ähnlich wie Nazi, beharrlich als Fremdzuschreibung zum Einsatz − für alles Böse und Verdorbene, also für alle, die nicht besorgt mitflöten. weiterlesen