Gaucks Entscheidung

Bildschirmfoto 2016-04-22 um 21.43.47Beinahe täglich grüßt das Murmeltier: Schon wieder die Sache mit den Überschriften. Vor einiger Zeit bereits raunte es durch die Medien, dass Angela Merkel eine weitere Amtszeit plane (Tagesschau) bzw. dass sie weitermache (N24 und Tagesspiegel) – lange bevor die nächste Wahl in Sichtweite gewesen wäre (siehe dieser Beitrag). Die Artikel selbst debattierten die Frage, ob sich Merkel erneut zur Wahl stellen wolle, wurden jedoch überschrieben, als sei es ihre eigene Entscheidung. Nun erlebt Bundespräsident Joachim Gauck die gleiche unfreiwillige Ermächtigung und es scheint, als könne auch er autonom über eine weitere Amtszeit bestimmen. Wasser auf die Mühlen jener Schreihälse, die den Untergang des demokratischen Abendlands kommen sehen.

Halbseidenes Beschreibungsgeschäft

halbseidenLegal, illegal? Scheißegal: diese lumpigen Briefkastenfirmen. – „Halbseidene Geldgeschäfte“ nennen Focus & Co. die durch die Panama Papers aufgedeckten Unternehmungen. Das ist ein hübscher Versuch der Verschleierung, wessen Charakters denn nun die Geschäfte sind. Pauschal illegal sind Briefkastenfirmen offenbar nicht. Da man das aber ungern so offen schreibt, muss eben ein Adjektiv her, das der Sache etwas Schmieriges und Zwielichtiges verleiht. Da kommt das schillernde Attribut „halbseiden“ gerade recht.

Dabei meint Halbseide zunächst nur Gewebe, das in einer Fadenrichtung aus Seide besteht, in der anderen nicht. Kartoffelklöße, weiterlesen

Invasion und Gentrifzierung in Idomeni

Im griechischen Idomeni machten sich am Montag Hunderte, gar Tausende auf, aufgeschreckt durch ein ominöses Flugblatt, die mazedonische Grenze zu erreichen. In Idomeni sitzen über 10.000 Menschen fest und bereits am Montagmorgen starben drei Menschen, bei dem Versuch, den Grenzfluss zu überqueren.

Die BILD-Zeitung titelte am Montag-Nachmittag:

"TROTZ GESCHLOSSENER GRENZEN Tausend Flüchtlinge auf dem Weg nach Mazedonien"
„TROTZ GESCHLOSSENER GRENZEN
Tausend Flüchtlinge auf dem Weg nach Mazedonien“

Diese Schlagzeile nun zitierte ein Mitglied des CDU-Kreisvorstands Dresden, Dr. Maximilian Krah. Er stellte fest:

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Aufgedeckt: Legida wird auch bezahlt

tchiboSeit einiger Zeit ist aktenkundig, dass Antifa-Aktivisten aus Geldern des Antifa e.V. bzw. der zugehörigen Gewerkschaft für ihre Demoaktivitäten bezahlt werden. Nun allerdings belegen interne Dokumente, dass auch viele der besorgten Bürger für ihre montäglichen Spaziergänge bei Legida Geld erhalten. Selbst das Dresdner Mutterschiff steht im Verdacht. Der Skandal weitet sich aus. weiterlesen

Alternativlose Alternative oder: Die Crux mit den Überschriften

rechtsruck-ohne-alternativeDas Ding mit den Überschriften haben wir schon hier und dort thematisiert. Sie lenken die Leser und arbeiten suggestiv. Mal absichtlich, mal aus Versehen. Spiegel online ist immer wieder eine Quelle für Fehlschüsse dieser Art. Jüngstes Beispiel ist ein Text zur AfD und deren unerhörtem Wahlerfolg vor allem in Sachsen-Anhalt. Stefan Kuzmany, der einen Kommentar mit dem Titel Deutschland nach dem Wahlsonntag: Rechtsruck ohne Alternative bei SPON verfasste, stand vermutlich nicht der Sinn danach, diesen Drift zum Nationalen als alternativlos zu erklären.  weiterlesen

Es patzelt. Von „kulturkonservativen Xenophoben“ und „empörten Gutwilligen“

patzeltEndlich ist es soweit, ein neuer Teil der Studienserie der Technischen Universität in Dresden zu Pegida ist erschienen. Die vierte Befragungswelle unter dem Politikwissenschaftler Werner Patzelt, die im Januar die Einstellungen, Vorstellungen und soziographischen Merkmale der Demonstranten von Pegida, den sogenannten Pegidianern abfragte, wurde am 25. Februar 2016 vorgestellt. Von FAZ bis Tagesspiegel griffen die Medienhäuser diese Präsentation und die zugehörige Presseerklärung auf und titelten zum Beispiel: Pegida hat sich spürbar radikalisiert (Tagesspiegel) oder Wer für Pegida marschiert, wählt offenbar auch AfD (FAZ). weiterlesen

Städtische „Fremdkörper“

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Eine Zahnbürste im Magen: Ein „Fremdkörper“ wie die Leipziger Freisitze?

Heizpilze und Folie, trockene Augen und ein angewärmter Gehweg: Man muss die Freisitzkultur auf der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße (und andernorts) nicht mögen. Weder ästhetisch noch der Sache nach. Genauso kann es Gegenstand der Verhandlung sein, ob solche Installationen erlaubt sein sollen oder nicht. Was allerdings Leipzigs Baudezernentin Dorothee Dubrau von den Grünen vom Stapel gelassen haben soll, um die halben Häuser zu unterbinden, ist mindestens eigenwillig. Sie erklärt die Stadt zum organischen, natürlichen Raum, der sich einen Splitter eingezogen hat. weiterlesen

Wutbürger vs. Terrorflüchtlinge

Spiegel Online am 10. Februar 2016
Spiegel Online am 10. Februar 2016

Liebe Spiegel-Redaktion,

warum nur? Bevor ich mich zum Ende des Artikels klicke, der mir vermutlich verrät, dass beim alkoholisierten Brandanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in Salzhemmendorf kein rassistisches Motiv zu erkennen ist, weiß ich schon, dass die Zahl der Hinweise auf noch mehr Terrorflüchtlinge steigt. Aha, die Hinweise. Von wem die wohl kommen? Aber gut, dass es hier nicht mal einen Teaser gibt.
Geflüchteten wird so pauschal und bereits im Titel unterstellt, einen Angriff auf „die Gesellschaft“ zu verüben. Deutsche, die Feuer gelegt und Leib und Leben bewusst aufs Spiel gesetzt haben, bleiben Bürger in Wut.

Ich verbleibe sprachlos.

Schöne Sätze Folge 1

Hunter_Thompson_Angst-und-Schrecken„Auch wenn man nicht sicher ist, was ‚Geschichte‘ macht, man darf doch getrost glauben, daß dann und wann die Energien einer ganzen Generation sich vereinen zu einem langen feinen Flash, und keiner weiß in dem Augenblick die Gründe dafür wirklich zu verstehen ⨪ und im nachhinein ist niemals zu erklären, was wirklich geschah.“