WdbB: Heimat

»Der sehr deutsche Begriff Heimat klingt harmlos. Doch progressiv besetzt werden kann er nicht«, argumentierte Patrick Gensing in der taz und verwies unter anderem auf die Nazikameradschaft Thüringer Heimatschutz, Forderungen besorgter Bürger, die Band Frei.Wild und den unter dem Begriff Neue Heimat firmierenden Siedlungsbau der Nazis. Die hässliche Schlagseite des Wortes spiegelt sich auch im niedlichen DDR-Pionierlied Unsere Heimat. Zuerst wird dort ein idyllisches Bild von Natur und Kultur gezeichnet, die Heimat dann aber nicht wegen ihrer Eigenqualitäten für schützenswert erklärt, sondern »weil sie unserem Volke gehört«, wie das Lied in höchsten Tönen kulminiert. In einer solchen Lesart von Heimat steckt immer auch Blut und Boden, die unverbrüchliche Verknüpfung von Menschen mit ihrer Umgebung, Unveränderlichkeit und die notfalls bewaffnete Verteidigung der Scholle ( Volksgemeinschaft). weiterlesen

WdbB: Rasse

rasseDie »sozialräumliche Häufung menschlicher Erbmerkmale im Sinn einer Formengruppe« (Wörterbuch der Ethnologie) lässt sich nicht leugnen: Wer in Nigeria geboren wurde, sieht aller Wahrscheinlichkeit nach anderen Nigerianern ähnlicher als beispielsweise einem Iraner. Fast alles, was über diesen banalen Befund hinausgeht, ist problematisch. Sowohl in Nigeria als auch im Iran, um kurz beim Beispiel zu bleiben, gibt es keine Übereinstimmung von Staatsbürgerschaft einerseits und Ethnizität, Sprache und Kultur an- dererseits. Auf genetischer Ebene finden sich innerhalb der Bevölkerung eines Gebiets mehr Unterschiede untereinander als zum Rest der Menschheit. Dies gilt nicht nur in interkontinentalen Transiträumen wie dem Iran, sondern auch bei den durch ihre Insellage und strenge Einwanderungsgesetze stärker isolierten Japanern. weiterlesen

WddB: Identität

In pathetischer Prosa dreht sich das Identitätskarussell seit einigen Jahren mit der Identitären Bewegung in eine weitere Pirouette hinein: »Unsere Generation ist das Opfer der 68er (…). Wir lehnen die Geschichtsbücher ab (…). Wir sind die Bewegung, die auf unsere Identität, unser Erbe, unser Volk und unsere Heimat schaut und erhobenen Hauptes dem Sonnenaufgang entgegengeht!« Im Abwehrkampf einer »Selbstabschaffung« Deutschlands gibt diese Gruppe die Wacht am Rhein − und bedient rassistische Ressentiments. Der Besorgtenrest tut es ihnen gleich. weiterlesen

WdbB: Verschwulung

Ein paar Anmerkungen zur „gründlichen deutschen Genitalwäsche“, diesmal als Tondokument bzw. als Video. Mit bestem Dank an Till Sorge.

WdbB: direkte Demokratie

bild_direkte-demokratieDie Sache mit der Demokratie ist an sich schon schwierig. Was heißt »Herrschaft des Demos«? Wer ist das? Funktioniert die Idee der Repräsentation, also die Vorstellung, dass einzelne für viele entscheiden? Das sind Fragen, die dieser Tage hochkochen − in Zeiten, in denen immer häufiger von Postdemokratie oder Oligarchie (der Herrschaft des Reichtums) gesprochen wird. weiterlesen

Essay: Im Gleichschritt gegen die Moderne

Zum (Miss-)Verhältnis von Postmoderne und der Neuen Rechten

von Ludwig Decke

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post-modernWährend postmoderne Theorien seit den 1980er Jahren in der Linken für eine anhaltende Diskussion sorgen, scheint sich auf der anderen Seite des politischen Spektrums ein eindeutigeres Bild abzuzeichnen. Innerhalb der Neuen Rechten, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Alternative zum etablierten rechtsextremen Lager herausgebildet hat, scheint „postmodern“ meist als Chiffre für Chaos und Auflösung, für den vom politischen Gegner verantworteten Angriff auf tradierte Werte wie Volk, Staat und Nation zu stehen. So bringt die Formel „Postmoderne = Dekonstruktion von Identität“, wie sie in der neurechten Jugendzeitschrift Blaue Narzisse aufgestellt wird, die verbreitete Abneigung gegen den Begriff und die mit ihm assoziierten Phänomene auf den Punkt. Umso verwunderlicher ist es daher, dass einer der wichtigsten Köpfe jener Denkrichtung, der Schweizer Publizist und Schriftsteller Armin Mohler, ein gänzlich anderes Verhältnis zur Postmoderne pflegte. weiterlesen

WdbB: !!1!1!!

bild_ausrufezeichenFünf Ausrufezeichen sind »ein sicheres Zeichen dafür, daß jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt«, witzelt eine Figur im Terry-Pratchett-Roman Mummenschanz. Ausrufezeichen müssen dazu herhalten, die Unmöglichkeit des Schreiens im geschriebenen Wort aufzufangen. Und weil die Frustration besorgter Bürger kaum zu steigern ist angesichts der Manipulationen und Bedrohungen, die das deutsche Volk erleiden müsse, ertönt jeder Satz mit zornbebender Stimme. Die Zahl der Ausrufezeichen markiert die Erregungsleiter. Zwei, drei wirken ruhig und besonnen. Ab acht wird die Wut anschaulich, bei 30 droht die Halsschlagader zu platzen. Die alte Kunst der Argumentation ist einem marktschreierischen Überbietungswettkampf gewichen: Jede noch so absurde Aussage beweist ihren Wahrheitswert anhand der Häufung einer Punkt-Strich-Kombination am Satzende. Die erregte Gesellschaft hat ihr Lieblingszeichen gefunden. Im Eifer des Gefechts und in Unkenntnis der Feststelltaste schleicht sich hin und wieder eine 1 ein, was der Angelegenheit beinahe einen typographischen Charme verleiht. Das wäre eine Randnotiz, würden die Besorgten nicht auf die Reinheit der deutschen Sprache pochen, die ein Ausrufezeichen nur bei einem Satz mit Imperativ vorsieht. Also wirklich selten. Und immer nur eins.
[rf]

Das antidemokratische Gift der „Extremismustheorie“

Hufeisen-Zaun_Rheingoenheim_01Zugegeben: Für den Moment haben sich die Apostel des Extremismusglaubens durchgesetzt. Der Hass auf alle „Extremisten“ sitzt tief und lenkt beinahe alle politischen Diskussionen. Gerade die Hysterie nach den Krawallen in Leipzig am 12. Dezember 2015 hat erneut vorgeführt, wie dankbar dieses dreist vereinfachende Schema wirkt: Die extreme Linke habe ihr böses Gesicht gezeigt und – so wird es üblicherweise kolportiert – verdeutlicht, wie wichtig eine schroffe Abgrenzung aller „demokratischen“ Kräfte in beide Richtungen sei. Dabei macht die Extremismusformel selbst, die zu Unrecht in den Rang einer Theorie erhoben wurde, der Demokratie den Gar aus. Sie ist antidemokratisch. Weiterlesen

Der Fluxkompensator

… als Text. Kann man sich nicht ausdenken.

fluxkompensator_als_text

Patzelts „grobe Fehler“

Patzelt_LVZWerner Patzelt, Professor der TU Dresden, hat es wieder getan: Schuldumkehr. Und die Leipziger Volkszeitung folgt ihm blind. In einem Beitrag mit dem mindestens verfänglichen Titel Experte: Pegida wächst durch Flüchtingskrise (LVZ vom 7. Oktober 2015) verdreht er so geflissen wie selbstverständlich Kausalitäten und bagatellisiert eine undemokratische Bewegung. Weiterlesen