Identitäre: Ein Abo auf historische Unkorrektheit

flamberg1Sie wollen die Intellektuellen der sogenannten Neuen Rechten sein, die genau genommen so neu nicht sind. Jung, hip, klug, als solches inszenieren sich die Identitären und nennen ihren kleinen Haufen gleich eine ganze Bewegung. Wichtig ist ihnen Tradition und so, weshalb sie gern geschichtliche Bezüge herstellen. Dabei zeigen sie mitunter eklatante Lücken in ihrer historischen Bildung.  weiterlesen

WdbB: Abschiebeverhinderungsindustrie

aschiebeverhinderungsindustrieMan muss Rainer Wendt Respekt zollen. Kaum jemand sonst hatte sich derart festgebissen im deutschen Talkshowgeschäft. Woche für Woche polterte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG) gegen die aufgeklärte Welt und redete ihren Untergang herbei. Nur die ganz harte Hand könne noch helfen. Dabei gelang es Wendt, als Gesicht der ganzen Polizei aufzutreten, obwohl seine durchaus umstrittene Gewerkschaft mit 94.000 Mitgliedern deutlich kleiner ist als die Konkurrenz, die Gewerkschaft der Polizei. weiterlesen

1. Mai: Mit Bockwurst fürs Recht aufs Schuften?

arbeit_textAnlass 1. Mai: Der DGB schwärmt einmal mehr von „Guter Arbeit“ und lässt Erwerbslose erneut im Stich. Der Bürgermeister der deutschen Vize-Armutshauptstadt reckt kämpferisch die Faust und Kindern wird das Auf und Ab des Berufslebens an der Hüpfburg verdeutlicht.

„Arbeit muss sich wieder lohnen”, sind sich die politischen Parteien und Gewerkschaften einig. Wann aber hat sich Lohnarbeit schon einmal angemessen ausgezahlt? Geld für eine erfüllende Tätigkeit statt entfremdeter respektive entfremdender Arbeit zu bekommen, gilt bis dato als Luxus der Wenigen. Wir sitzen einem Trugschluss auf, was den Sinn der Erwerbsarbeit betrifft, das kann man sich mit etwas Muße gerade am „Tag der Arbeit” (oder auch „Kampftag der Arbeiterbewegung”) einmal klarmachen. weiterlesen

WdbB: christlich-jüdisch

christlich-juedischDie Rolle der »christlich-jüdischenTradition« bei der kolportierten Notwendigkeit, das Abendland gegen die Islamisierung zu verteidigen, erscheint wie ein Phantomschmerz. Denn das sächsische Geburtsland von Pegida ist wie andere ostdeutsche Bundesländer für die Konfessionslosigkeit seiner Einwohner bekannt. Manche würden auch behaupten, dass es Antisemiten dort leichter haben als Juden. Vielleicht deshalb strengt sich die Evangelische Kirche in Sachsen nun an, dem Phantom eine pegida-gerechte Gestalt zu geben. So profilierte sich der Landesbischof Carsten Rentzing vor seiner Ernennung mit homophoben Aussagen. Und für den ob seiner DDR-Opposition bekannten ehemaligen Pfarrer Theo Lehmann drückt sich in dieser Haltung der auch in Kirchensachen bewundernswerte »sächsische Weg« aus. Diesen ebnet er für die Spaziergänge von Pegida, an denen er teilnimmt, um seine Kritik am Islam als »antichristliche Religion« zu demonstrieren. weiterlesen

Gemeinsame Erklärung zur Sendung „Dienstags direkt“ des MDR Hörfunk

Gemeinsame Erklärung von Kerstin Köditz und Robert Feustel

Wir haben unsere Teilnahme an der heutigen @MDR_SN-Sendung „Dienstags direkt“ abgesagt. Angefragt waren wir zum Thema „politische Korrektheit“. Unseres Erachtens ist das ein Kampfbegriff der Rechten, und unser Ziel war, ihn nicht unwidersprochen zu lassen. Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist.

Auf das Konzept der Sendung, den Tenor der Ankündigung und weitere Gäste hatten wir freilich keinen Einfluss. Jene kritischen Stimmen liegen richtig, die grundsätzlich fragen, warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind.

Wir danken denen, die uns zeitnah und sachlich sensibilisiert haben. Der von (weiteren) Beleidigungen nur so gespickte „Shitstorm“ ringsum ist dagegen sinnlos und unwürdig.

Ressortleiter „Hetze“ – gesucht und gefunden?

Gastbeitrag von Tobias Wilke

FotoJetTag24WTFnewDass Tag24 herzlich wenig vom eigentlich zwingenden Konjunktiv hält, sobald es um vermeintliche Nichtdeutsche geht, die irgendwie im Zusammenhang mit einer möglichen Straftat stehen könnten, hat dem Onlinekäseblatt bereits zu trauriger Berühmtheit im Fake-News-Atlas Hoaxmap.org verholfen – der Artikel über eine vermeintliche Vergewaltigung durch „südländische Typen“ am „helllichten Tag in Dresden“ gilt als regionaler „Klassiker“ unter den journalistischen Sorgfältigkeitspflichtverletzungen. Nun hat einer der sächsischen Tag24-Onlineautoren einen blitzsauberen Hat(e)trick hingelegt … weiterlesen

Wer nicht zählen kann, muss hetzen. „Zuwanderer“ in der Sächsischen Kriminalstatistik

Gastbeitrag von Tobias Wilke

PKS 2017 falschDem Landeskriminalamt Sachsen ist es offenbar eine „Herzensangelegenheit“, eine sogenannte „Tatverdächtigenbelastungszahl“ für die Gruppe der Zuwanderer zu benennen, also den Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an den Zuwanderern in Sachsen insgesamt. Trotz ausdrücklicher Warnung des Bundeskriminalamt (BKA), dass diese Berechnung hochkomplex ist und etliche Fallstricke birgt. Deren Kollegen aus Sachsen haben es dennoch versucht und entsprechende Zahlen veröffentlicht – mit gravierenden Fehlern, die Populisten in die Hände spielen. weiterlesen

Zucker für die Affen: Tag24 und die erfundenen 670 Prozent mehr Vergewaltigungen

tag-24-fb-670-ProzentDa wird die Volksseele kochen: Tag24, Boulevard ohne Journalismus, berichtet, dass im Raum Leipzig die Zahl der Vergewaltigungen um 670 Prozent und damit drastisch gestiegen sei. Das Blatt bemüht die aktuelle Kriminalstatistik und singt verbittert mit im Chor derer, die tagein tagaus davon faseln, wie schlimm die Welt doch mittlerweile angeblich ist. Zusammen mit einem anderen Text zur Gesamtzahl der Straftaten schraubt sich die fälschlich Zeitung genannte Sammlung von Dummheiten ein weiteres Treppchen die Angstspirale hinauf. Blöd ist nur, dass das Blatt mit dem letzten Fünkchen Seriosität den Fehler selbst zugibt: Einen Anstieg gab es nicht. weiterlesen

Suppenküchenstaat: Die Existenz der Tafeln ist der Eklat

tafelnWer Migranten per se von Mildtätigkeit ausschließt und von »Nehmergenen« spricht, agiert rassistisch. An dieser Stelle muss nicht weiter verhandelt werden und man könnte die Debatte über die Essener Tafel beenden. Was erschüttert, ist das Licht der Selbstverständlichkeit, in dem die Tafeln heute erscheinen. Der Suppenküchenstaat, in dem Menschen ohne ehrenamtliche Hilfe hungern – bei gleichzeitiger Selbsterhöhung einiger Ehrenämtler –, ist zur Normalität geworden. Zum deutschen Ausweis kollektiver Fürsorge, die einmal mehr verteidigt werden muss gegen Menschen, die noch weniger haben. Oder wenigstens nicht den richtigen Pass. Daher sollen nachfolgende Zeilen nicht den klar zu kritisierenden Rassismus anvisieren, sondern den Eklat, den die Existenz der Tafeln an sich darstellt. weiterlesen