Suppenküchenstaat: Die Existenz der Tafeln ist der Eklat

tafelnWer Migranten per se von Mildtätigkeit ausschließt und von »Nehmergenen« spricht, agiert rassistisch. An dieser Stelle muss nicht weiter verhandelt werden und man könnte die Debatte über die Essener Tafel beenden. Was erschüttert, ist das Licht der Selbstverständlichkeit, in dem die Tafeln heute erscheinen. Der Suppenküchenstaat, in dem Menschen ohne ehrenamtliche Hilfe hungern – bei gleichzeitiger Selbsterhöhung einiger Ehrenämtler –, ist zur Normalität geworden. Zum deutschen Ausweis kollektiver Fürsorge, die einmal mehr verteidigt werden muss gegen Menschen, die noch weniger haben. Oder wenigstens nicht den richtigen Pass. Daher sollen nachfolgende Zeilen nicht den klar zu kritisierenden Rassismus anvisieren, sondern den Eklat, den die Existenz der Tafeln an sich darstellt. weiterlesen

Die AfD-Logik der Eskalation oder: Manchmal ist schweigen Gold

IMG_8399Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, dürfte bemerkt haben, dass wir ein wenig maulfaul geworden sind. Neue Beiträge lassen mitunter länger auf sich warten. Dafür gibt es Gründe. Der eine lässt sich knapp zusammenfassen: Man hat das drängende Gefühl, sich endlos zu wiederholen und am Ende des Tages immer auf die gleichen Dinge aufmerksam zu machen. Frust ist kein guter Schreibberater. Ein anderer Grund allerdings ist die Systematik der Debatte selbst. Manche inhaltlich völlig berechtigten kritischen Einwände bespielen unabsichtlich aber effektiv die Logik der Eskalation, die von der AfD perfekt bedient wird. weiterlesen

WdbB: Obergrenze

»Die Obergrenze wird kommen«, gab sich Horst Seehofer von der CSU, dauerbesorgter Regierungschef in Bayern, im Dezember 2016 zuversichtlich. Was sich im beschaulichen Freistaat so leichtfüßig sagen lässt, hat einen harten, unmenschlichen Kern. Obergrenzen lassen sich in Bezug auf viele Dinge definieren: Wer am Projekt Sommerkörper arbeitet, kann sich eine Obergrenze für Kalorien geben, die täglich zugeführt werden. Und wer befürchtet, zu oft und zu tief ins Glas zu schauen, könnte ähnlich mit Alkohol verfahren. In allen Fällen bedeutet es, alles Überschüssige wegzulassen. weiterlesen

WdbB: Weihnachten

weihnachtenZum hohen Fest ist den Leuten kein Weg zu weit, um sich im Kreise der Lieben unter die geschmückte Tanne zu setzen und in trauter Runde Gänsebraten oder Kartoffelsalat mit Würstchen zu verspeisen. Die Fast-Eltern auf Herbergssuche geben nur den Rahmen, der aber lästig zu werden droht, wenn der Pfarrer im ausnahmsweise übervollen Heiligabend-Gottesdienst darauf hinweist, dass Jesus kein Deutscher und noch dazu so etwas wie ein Flüchtling war. Die Deutschlandhasser wollen sogar diesen Hort des Friedens und der Selbstvergewisserung, der Völlerei, der Hausmusik und des gepflegten Familienstreits zerstören. weierlesen

Twitterkönig in Ausbildung: Norbert Bolz

bolz-IINorbert Bolz – wir hatten ihn schon einmal auf die Kieker – hat mittlerweile seine medienwissenschaftliche Karriere an den reaktionären Nagel gehängt. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, weil er auf seinem Twitterprofil intensiv so reaktionäre wie hohle Phrasen übt. Hauptsache dagegen, koste es, was es wolle. Hier eine kleine kommentierte Auswahl. weiterlesen

Werner Patzelt und die Meinungsdiktatur

patzeltDer Politikspaßvogel Werner Patzelt aus Dresden hat in der Jungen Freiheit den Einzug der AfD in den Bundestag abgefeiert. Mit ihr sei eine „neue Republik“ im Entstehen. Nicht nur, dass Patzelt den Einzug von Nazis ins Parlament begrüßt, er bespielt auch die so falsche wie dröge Rede von vermeintlichen Sprechverboten und einer linksgrünen Meinungsdiktatur. weiterlesen

Heimatschutz mit Unkrautex: Neophyten

suedenWenn in Mozarts „Sehnsucht nach dem Frühling“ auch am Bache kleine Veilchen erblühen, sind hoffentlich weder Blaues noch Wohlriechendes Veilchen darunter. Denn die gelten einigen Wald- und Wiesenfans als abartig. Sie sind nämlich Immigranten und die deutsche Arche ist voll: So lugt florale Fremdenangst hinter vorgehaltener Hand hervor. weiterlesen

WdbB: Heimat

»Der sehr deutsche Begriff Heimat klingt harmlos. Doch progressiv besetzt werden kann er nicht«, argumentierte Patrick Gensing in der taz und verwies unter anderem auf die Nazikameradschaft Thüringer Heimatschutz, Forderungen besorgter Bürger, die Band Frei.Wild und den unter dem Begriff Neue Heimat firmierenden Siedlungsbau der Nazis. Die hässliche Schlagseite des Wortes spiegelt sich auch im niedlichen DDR-Pionierlied Unsere Heimat. Zuerst wird dort ein idyllisches Bild von Natur und Kultur gezeichnet, die Heimat dann aber nicht wegen ihrer Eigenqualitäten für schützenswert erklärt, sondern »weil sie unserem Volke gehört«, wie das Lied in höchsten Tönen kulminiert. In einer solchen Lesart von Heimat steckt immer auch Blut und Boden, die unverbrüchliche Verknüpfung von Menschen mit ihrer Umgebung, Unveränderlichkeit und die notfalls bewaffnete Verteidigung der Scholle ( Volksgemeinschaft). weiterlesen

Ciao SPD: Nahles und die Kampfrhetorik

german-angstZugegeben: Es war nicht anders zu erwarten. Aber ganz heimlich hatte möglicherweise der ein oder andere gehofft, die SPD (eine kleine, früher sozialdemokratische Splitterpartei, a.d.R.) würde sich nach der Bundestagswahl neu aufstellen und nicht immer wieder in die gleiche Falle tappen. Doch weit gefehlt. Nicht mal eine Woche nach der Wahl bläst Andrea Nahles, gegenwärtige Konkursverwalterin der SPD-Fraktion im Bundestag, ins Horn der reaktionären Kräfte. Auf dass die Wähler die SPD für ihre reaktionäre Parodie wählen mögen. weiterlesen