Schneekönigin Schäuble

LawineWenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt von irgendwo ein Schäuble her. Wie perfide es ist, Menschen in einem Strom, einer Welle oder gar einer Flut abzubilden, wie trivial dieser Metaphernbestand mit Ängsten spielt, haben wir an anderer Stelle bereits besprochen. Individuen als Teil einer Flüssigkeit zu imaginieren, braucht schon Phantasie. Der deutsche Vorzeigezuchtmeister Wolfgang Schäuble jedoch packt nun noch einen oben drauf.

Er befürchtet eine „Flüchtlingslawine“. Man mag streiten, ob die Logik der Eskalation bzw. die Aufmerksamkeitsökonomie dazu treibt, immer härtere Bilder zu finden, immer stärker zuzuschlagen. Oder ist Schäubles Unbewusstes tatsächlich gefroren, wenn er solche Bilder bemüht? Sicher ist jedenfalls, dass Lawinen alles kaputt walzen, unter sich begraben und letztlich ersticken. Damit touchiert Schäuble das Volkstodphantasma, das den rechten Rand in die Paranoia treibt. Und die Frage ist erlaubt, was als nächstes kommen könnte. Was, wenn auch die Lawinenmetapher nicht mehr reicht, um endlich etwas Erregung auf sich zu ziehen? Was, wenn selbst dann die an Verschwörungstheorie erkrankten „besorgten Bürger“ nicht „Schäuble for President“ skandieren? Müssen wir wirklich fürchten, demnächst vom „Flüchtlingstsunami“ oder „-tornado“ zu lesen? Oder erweitert sich das Metapherngedonner auf „Flüchtlingsepidemie“, weil man ja nie weiß, was und wer wie ansteckend sein kann? Endet das alles in der „Flüchtlingsapokalypse“? Im Untergang?

Die Gleise sind jedenfalls ausgelegt, um die Schuldumkehr zu wagen und eine diffuse Menschengruppe dingfest zu machen, die irgendwann Schuld gewesen sei wird am Ende der Deutschen. Das hatten gerade diese Deutschen schon einmal, und es wäre so gekommen, hätte sich Morgenthau durchgesetzt. Aber den Schäubles, Seehofers und de Maizières ist das egal. Solange sich vermuten lässt, dass man mit Ressentiment und derben Sprachbildern Sympathien weckt, wird hingelangt, so gut es geht. Ein zweites Mal wird Deutschland nicht so glimpflich davon kommen, bleibt jedenfalls zu hoffen.

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