Das ist „Deutsch ++“: Geflüchtete dürfen Nazisprühereien in Freital entfernen.

Wappen_freitalIn Freital gibt es keine Nazis. Davon war und ist Oberbürgermeister Rumberg überzeugt. Klar, es gab hie und da rassistisches Gebaren, Angriffe, Übergriffe, asylfeindliche Schmierereien, es gab asylfeindliche Demonstrationen und Kundgebungen, es gab mindestens vier offen auftretende asylfeindliche Gruppierungen in Freital, darunter eine Bürgerwehr – und es gab einen Einsatz der GSG9 in Freital, mehrere Personen wurden festgenommen, denen die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird. Aber damit müsste es sich eigentlich haben.

Oberbürger Rumberg in einem legendären Interview der Sächsischen Zeitung:

Wie dem auch sei: Es gibt zwar keine Nazis in Freital, aber eben doch Nazisprühereien. Und das ist natürlich ärgerlich, zumal sie ja ein völlig falsches Bild von Freital produzieren, so Rumberg in selbigem Artikel.

Freital strahlt

Jetzt mögen Nazisprühereien andernorts zuallererst Angriffe auf die Menschenwürde sein. In Freital, wo es keine Nazis gibt, stören sie einfach nur die unfassbare Strahlkraft der verdienten Kulturmetropole.

Gut traf es sich da, dass die Stadt Freital ein Modellprojekt entwickelt hat, in dessen Rahmen engagierten, jungen Menschen bei der sinnvollen Tageszeitverbringung Unterstützung angeboten wird. Rumberg hielt eine Rede:

RedeZurProjekteinführung

Der Oberbürgermeister, der Asylkoordinator und der gemeinnützige Verein Biotec e.V. kümmern sich also um Geflüchtete im Rahmen des Projekts „Deutsch ++“. Die Geflüchteten lernen einerseits die deutsche Sprache. Aber das müssen sie eh, sobald sie einen Aufenthaltsstatus erhalten. Das modellhafte ist also der andere Teil: Der „Einsatz von Asylbewerbern für gemeinnützige Tätigkeiten vor Ort“, neben bzw. nach dem Unterricht. Und dafür bekommen sie sogar noch eine Aufwandsentschädigung von einem Euro fünfzig pro Stunde. Deutsch lernen und für kaum Geld arbeiten: „Deutsch ++“, ein Freitaler Modellprojekt. Ebenda:

IntegrationUndWillkommenskultur

Ja, das entspricht unser aller Verständnis von Integration und Willkommenskultur: „Herzlich willkommen bei uns in Freital! Jetzt aber ab, Sprache lernen und unterordnen! Und hier sind Ihre Arbeitshandschuhe! Das ist jetzt Ihre Chance!“ Ebenda:

Schultüte

Freilich: Die „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“ ist in jeglicher Hinsicht umstritten. Sie soll Langzeitarbeitslose an den „Ersten Arbeitsmarkt“ heranführen, erinnert in Anlage und Durchführung aber eher an staatlich organisierte Zwangsarbeit („Entschädigung“ statt Lohn, Sanktionen bei Weigerung). Als Integrationsmaßnahme wiederum ist sie offensichtlich wie geschaffen. Denn wenn Oberbürgermeister Rumberg von den „Normen und Werten“ der Deutschen spricht, weiß man, warum – und was gemeint ist: Deutsch lernen und „gemeinnützig“ arbeiten für die (deutsche) Sache. Aus der Pressemitteilung zur Vorstellung des Modellprojekts:

NormenWerte

Wie dem auch sei: Unabhängig von der an sich schon sehr guten Idee zum Modellprojekt brauchten die Modellprojektler natürlich noch eine Tätigkeit für ihre integrationswilligen, willkommensinteressierten Arbeitssklaven Teilnehmer. Womit wir wieder bei den asylfeindlichen, rassistischen, neonazistischen Sprühereien in Freital wären, die von Nazis, die es nicht gibt, gesprüht, unser Freital in falschem Glanz strahlen lassen. Oder so. Die Sächsische Zeitung schrieb:

NoAsylWeggeschrubbt

Asylsuchende entfernen asylfeindliche Schmierereien. Es herrscht Integration in Freital. Im selben Artikel:

Integration

Richtig: Alle Freitaler wollen das Stadtbild verbessern. Manche, indem sie asylfeindliche Parolen sprühen, andere, indem sie die Gemeinten die Parolen wegmachen lassen. Klar, es geht nicht darum, irgendjemanden bzw. die „Migranten“ auszunutzen. Deswegen müssen es ja auch die Asylsuchenden machen. Und außerdem ist es ja eine integrative Maßnahme. Zumindest heißt sie so. Aber immerhin: Man merkt in Freital, dass es Kritik gab am Modellprojekt. Auch Rumberg musste sich dazu äußern:

Das sind Migranten keine Aylbewerber

„Migranten, keine Asylbewerber.“ Sauber abgewehrt, diesen Angriff! Freilich: Auch anerkannte Asylbewerber werden sowohl im Amts- wie im Alltagsdeutsch noch als Asylbewerber bezeichnet, nämlich als anerkannte, aber wenn’s gerade passt … Dann fällt auch nicht auf, dass man zwar betont, dass es keine Asylbewerber sind, aber „unser Asylkoordinator“ mit bei den Gesprächen dabei ist.

„Alles auf freiwilliger Basis.“ Richtig. Oder wie es vorher hieß: „Einsatz von Asylbewerbern für gemeinnützige Tätigkeiten vor Ort“, also Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung, sprich: Sanktion bei Weigerung. „Freiwillig“, ein Wort der Sprache „Deutsch ++“.

Nebenbei gefragt: Woher kommt eigentlich immer diese Kritik!?

Vielleicht gibt es also Kritik, weil die Asylsuchenden, die keine sind, von Rassisten, die es in Freital nicht gibt, bepöbelt und beschimpft werden, während sie rassistische und asylfeindliche Parolen (siehe oben) wegschrubben durften.

Herzlich willkommen in Freital, strahlender Hort deutscher Ideologie. Sie sind angekommen dank „Deutsch ++“.

 

PS: Wo wir einmal bei Rumberg sind, erinnert man sich gerne auch, mit welcher Leichtigkeit er Ängste und Sorgen, eben sogenannter besorgter Bürger im Stadtrat zu zerstreuen weiß. So las man im Freitaler Anzeiger vom 11. März 2016, dass der

Bürger Herr Jährling Bezug nimmt auf die vermehrten organisierten Übergriffe von Flüchtlingen auf die deutsche Bevölkerung und fragt, ob es zum Schutz der Freitaler Bevölkerung ein entsprechendes Konzept gibt.

Wie könnte ein Oberbürgermeister Rumberg nun darauf reagieren? Er könnte zum Beispiel nachfragen, welche Übergriffe denn genau gemeint wären. Aber nicht so in Freital! Stattdessen lesen wir im Protokoll weiter:

Herr Rumberg verurteilt die Übergriffe. Was die Stadt Freital betrifft, gibt es engen Kontakt zur Polizei, die versichert, dass jede Anzeige bearbeitet wird. […] Er wünscht sich für Freital, dass der Frieden gewahrt bleibt.

Bürger Jährling hakt weiter nach, ob es denn kein Konzept gebe, zum Schutz der Freitaler Bevölkerung?

Wieder eine Chance für OBM Rumberg, den stadtbekannten Betreiber einer einschlägigen Bar zu parieren, der sich schon mal mit rechtsextremen Bands, die im Verfassungsschutzbericht erwähnt werden, ablichten lässt.

Doch nein, er bekräftigt lieber öffentlich, dass mit allem zu rechnen ist:

Hinsichtlich der Sicherheitslage geht Herr Rumberg davon aus, dass die Polizei Notpläne, wo unter anderem dann auch die Bundespolizei gefragt ist, hat.

Ängste aufbauen, Freital zeigt wie’s geht!

  1. Nur mal zur Info – die Stadtväter hatten kein Problem mit den Symbolen – auch der Asylkoordinator nicht – Flüchtlingsbefürworter mussten erst großen Druck machen, ehe man sich des Problems annahm. Wir schämen uns, dass das jetzt Geflüchtete weg machen sollen. Silvia Fischer – Unternehmensberater-Jobtrainer

  2. Genial passender Name, den muss ein Programmierer erdacht haben („x++“ bedeutet, dass der Wert von x erhöht wird, aber der Empfänger nur den alten Wert bekommt). D.h. die Flüchtlinge müssen Schland putzen, bekommen selber aber weiter das alte Kaltland.

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