Die rote Gefahr oder: Bauschaum, hier ist überall Bauschaum!

Die Morgenpost aus Dresden weiß, immer, einiges zu berichten. So auch am 23. Januar dieses Jahres. Sie titelte, standesgemäß in Versalien:
NACH LEIPZIG-KRAWALLEN: LKA-CHEF WARNT VOR LINKSEXTREMISTEN

Allein die Überschrift ist ein kleines Meisterwerk. Ein neckisches E und ein fröhliches N vollenden das Wort „Krawall“ und schon steht das Ganze im Plural.

Der 12. Dezmber 2015 reichte also nicht, in Leipzig gab es wohl mehrere Krawalle. Obwohl hernach aber die Warnung vor dem Linksextremisten folgt, ist dennoch der 11. Januar 2016 gleich mitgemeint.
Doch das ergibt für Sachsen nur Sinn: Denn für diese Warnung war es gerade Zeit. Schon kurz nachdem 250 Neonazis die Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz angriffen, wusste Bettina Kudla (MdB für die CDU) Maß zu halten und warnte, gar kassandragleich:

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Objektiv genug, springt ihr nun der sächsische LKA-Chef zur Seite. Bei einer CDU-Versammlung in Dresden-Blasewitz, wobei nicht überliefert ist, ob Eierschecke oder -likör im Spiel war, warnt er nun vor der roten Gefahr:
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Aha!

Er spricht zwar die Neonazi-Krawalle am 11. Januar an, doch die unscheinbare Präposition „nach“ verrät uns, dass er ein Ereignis meinen muss, welches sich nach dem 11. Januar zugetragen haben muss.
Was natürlich folgerichtig ist, denn sicherlich würde ein LKA-Chef aufgrund eines Angriffs von 250 Neonazis nicht vor einer Gefahr von links warnen. Oder?
Der Schattenredaktion dieses Mediums ist allerdings nur die dem folgende Antifademo von 2.000 Personen am nächsten Tag bekannt. Das darf nicht verharmlost werden!

Doch weiter:

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Wir alle kennen sie, die Bilder von den roten Horden, die zunächst in Baumärkten ihre nächste Dose Bauschaum brandschatzen, um sich dann bei Einbruch der Dämmerung an arglose Visiere heranzuschleichen und diese zu beschaumen.
Nein, zugegeben, wir kennen diese Bilder nicht. Soweit der Schattenredaktion bekannt, sind Vorfälle solcher Art bis jetzt nicht bekannt. Auch energisches Googlen bringt einen nur auf rechte Facebook-Seiten, die sich wiederum auf den hier benannten MoPo-Artikel beziehen. In dem Zusammenhang freuen wir uns besonders, dass die Morgenpost diese Aussage ungeprüft übernimmt. Wie wir alle wissen, sind es nicht die Erstbehauptungen, die im „kollektiven Gedächtnis“ bleiben, sondern immer die darauf folgenden Richtigstellungen oder später berichteten Details! Das wird auch hier wieder wunderbar funktionieren.

Doch Michaelis weiß von noch mehr Greuel:

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Wir unterstellen an dieser Stelle mal, dass er hier nicht die beliebten #48Busse des Antifa e.V. meint, das sind ja immerhin auch Arbeitsplätze, sondern konzentrieren uns auf den Nebensatz.

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Das Qualitätswerk Duden, spricht beim Wort „Straftäter“ von „jemand(em), der eine Straftat begangen hat“.
Schockschwere Not! Dem LKA-Chef von Sachsen ist also gewahr, dass linke Delinquenten in Massen nach Sachsen eingeschleust werden. Was früher der Hofgang war, scheint heute die Busreise in den Freistaat! Doch warum hakt die MoPo an dieser Stelle nicht nach?
Handelt es sich tatsächlich um Gefängnisbusse? Von welcher Justizvollzugsanstalt aus werden diese Kaffeefahrten organisiert? Werden die Straftäter unter Aufsicht ins Elbtal geschleust oder gar im Sinne eines Freigangs erst abends wieder abgeholt? Die MoPo fragt aber leider nicht nach.

Sie fragt leider auch nicht beim fettgedruckten Zitat des Artikels nach:

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Toten zu beklagen sind.“

Zum Beispiel, wie er auf diese Aussage überhaupt kommt? Zumal Presseberichte mit und über Jörg Michaelis insgesamt rar gesät scheinen. Doch immerhin findet man von 2011, als er damals gerade als LKA-Chef antrat, folgende Zitate:

„Wir werden das ‚Dezernat politisch motivierte Kriminalität links‘ bis Ende des Jahres personell verstärken, um linken Gewalttätern Einhalt zu gebieten.“
„Die Täter links werden aggressiver sowohl gegenüber politisch Andersdenkenden als auch der Polizei. Das zeigt sich insbesondere bei nicht friedlichen Demonstrationen.“

Richtig! Denn während es bei friedlichen Demonstrationen meistens friedlich zugeht, wird es insbesondere bei nichtfriedlichen Demonstrationen aggressiver. Starke Analyse!
Klappern gehört ja bekanntermaßen zum Handwerk. Aber fünf Jahre lang Klappern ist schon eine größere Kunst.

Wer angesichts sächsischer Zustände mit unbelegten Bauschaumgeschichten und „bezahlten linksextremen Straftätern“ argumentiert, den Naziangriff in Connewitz gleich mit unter „linkem Krawall“ subsumiert und schließlich vor Toten durch Linke warnt: Ist der eigentlich politisch unzurechnungsfähig? Führt der LKA-Chef einen Kampf gegen Gespenster? Ist der in Sachsen besonders gepflegte antikommunistische Reflex eigentlich Einstellungsvorraussetzung für höhere Beamte? Was sagt das eigentlich über die Regierungspartei CDU aus, der bei dieser Veranstaltung offensichtlich keine einzige Frage zu den Quellen von Michaelis‘ Behauptungen gekommen ist?

Was nun die Berichterstattung der MoPo angeht: Es ziemt sich wohl nicht, aber: Klar darf selbst in Sachsen ein Redakteur den LKA-Chef nach den Ursprüngen und Quellen seiner Behauptungen fragen.
Aber ach, enden wir mit einem Zitat des geschätzten Stefan Gärtner:

„Und das ist nun der Unterschied zwischen Preßkritik von links und solcher von rechts: Diese glaubt, in der Zeitung stünden Lügen. Ich glaube: In der Zeitung steht immer die Wahrheit.“

  1. schön verzerrte Wahrnehmung – von wegen „sowas von nicht relevant“ –

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/leipzig-randale-von-linksautonomen-13373250.html

    „http://www.lvz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/Randale-in-Leipzig-Plagwitz-Bis-zu-30-vermummte-Personen-zerstoeren-LVB-Haltestelle“

    „https://linksunten.indymedia.org/de/node/154433“

    „http://www.mdr.de/nachrichten/leipzig-randale100_zc-e9a9d57e_zs-6c4417e7.html“

    „http://www.mdr.de/sachsen/demos-leipzig106.html“

    1. Ein paar Links, wunderbar. Zur LVZ. Noch viel besser. Die Qualität der Belege ist hinreißend. 1005 Anschläge auf Flüchtlingsheime usw. Braucht es noch Ausführungen zur PMK links und zur Datenerhebung von LKA und BKA? Dann schauen Sie mal hier rein: http://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-531-93281-1_7 Gerade in Sachsen liegen die Dinge anders, und wir müssen in erster Linie einen rechten Mob fürchten. Wer, wie Sie, davor die Augen verschließt, wird irgendwann ein böses Erwachen erleben und dann moralisch fein behaupten, es doch immer schon gewusst zu haben.

      1. sehr lustig – ich dachte die Rechten haben nur eine Lügenpresse-Paranoia

        1005 Anschläge? und wieviel wurden verurteilt? und wenn so wenige verurteilt wurden, wie kann man dann wissen, dass es Anschläge waren? könnte das eine tendenziöse Berichterestattung sein – NEIN NATÜRLICH NICHT!
        nicht 1005 Anschläge (vermutet man) sondern Angriffe – warum diese Haarspalterei – hierein fallen auch Volksverhetzungs und Propagandadelikte – also wenn einer ruft „Ausländer raus“ oder ein Hakenkreuz malt. Jetzt stelle man sich vor, überall dort wo ein ACAB hinschmiert, das wäre ein Propagandadelikt – wieviel Anschläge von Linksextremisten gäbe es wohl?

        und mit Springer kommen und von Qualität sprechen -einfach lächerlich

      2. Ist okay, M Groß, wenn Sie pauschalisieren wollen, bitte. Medienkritik und Lügenpresse sind zwei Paar Schuhe. Und dass wir in diesem Land gegenwärtig einen Rechtsdrift erleben, ist so offensichtlich, dass ich Ihnen andere Absichten unterstellen muss. Die Medien sind voll von Politikersprüchen und Maßnahmen, die vor kurzem noch der NPD zugeordnet worden wären, die Abschottungspolitik nimmt Fahrt auf usw. Pauschalisierungen und offener Rassismus überall. Und damit man weiter, vor allem in Sachsen, von einer bürgerlichen Mitte im Sinne der Extremismusdoktrin faseln kann, wird das linke Problem aufgeblasen. Ihre ganze schöne Ordnung von links und rechts böse und guter Mitte funktioniert nicht. Aber in the church of extremism theory muss man nur oft genug die gute Mitte herbei beten, dann wird das schon. Im Unterschied zu Ihnen habe ich die Zeitungsartikel gelesen und dann angezweifelt, während Sie einen mitunter tatsächlich schwierigen Verlag pauschal verurteilen und ablehnen. Ohne den Text gelesen zu haben. An einem Punkt allerdings haben Sie Recht: Die Zahl ist unsauber und die Quelle fraglich. Auch da wird mit PMK und Zuordnungen unsauber gearbeitet, häufig allerdings in die andere Richtung. Wie oft hat „ein Feuer eine Unterkunft“ vernichtet. Fällt Ihnen an der Formulierung etwas auf? Es gibt, zunächst, keinen Täter. So ist das oft in diesen Fällen, und dann bleibt die Frage des politischen Motivs ungeklärt. Das werden Sie bei Sitzblockaden gegen Gida und co nicht finden. Da liegt immer schon PMK links vor. Aber all das wird Ihren Glauben (und mir scheint, es ist ein Glaube) nicht irritieren.

      3. Und noch etwas: Springer VS hat nichts, gar nichts, mit Axel Springer und der Bild zu tun. Falls Ihnen das aufgestoßen ist. Bevor Sie also pöbeln, erst kurz nachdenken.

      4. Na wenn da mal jemand nicht den Unterschied zwischen Springer und Springer übersehen hat …

      5. Springer ist übrigens nicht gleich der Springer Verlag von der Bildzeitung ! Einfach mal auf den Link klicken.

  2. 2015 gab es doch nicht bloß einmal linksradikale Krawalle in LE, einfach mal googeln, ging mit RIP Khaled los.
    Mit Krawallen nach 11.1. meint er die Linken, die die Busse in denen die Festgenommenen saßen und Polizei angriffen.
    Und mit Rettungskräfte-Angreifen meint er die Feuerwehr die am 12.12. teilweise bei der Arbeit behindert und angegriffen wurde.

    Hahnebüchene Selbstkritik – nur rotes Tuch – keine Objektivität und deshalb hahnebüchener Artikel

    1. Ein Angriff auf die Rettungskräfte haben nicht einmal die Rettungskräfte selbst bemerkt. Komisch, oder? Aber wer den ideologischen Hammer der Extremismusdoktrin tief im Kopf versenkt hat, muss selbst bei mehr als 1000 Angriffen von Neonazis noch lang und breit über (angeblich bezahlte) Linke reden. Dass es die gibt (ohne Bezahlung) und dass die von Zeit zu Zeit Dinge tun, die man besser lassen sollte, stimmt freilich. Aber relevant sind die gegenwärtig sowas von gar nicht.

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