Im Zug der Opportunisten: Ein Nachruf auf das Conne Island

Ein Schritt vor, zwei zurück“ heißt ein unlängst vom Plenum des Conne Island veröffentlichter Text. Seither schlagen die Wellen hoch. Von der Cinémathèque bis zu Beatrix von Storch hagelt es Gratulationen und Zuspruch. Der Mut des ehemals linken Zentrums wird gewürdigt und die Offenheit gelobt. Wie nicht anders zu erwarten, reibt sich die Presse die Hände, schließlich verknüpft das Statement des Conne Island drei Themen, die garantiert für Auflage und Klickzahlen sorgen: Kriminalität, Sex und Ausländer. Was vielerorts für mutig verklärt und als ehrlich anerkannt wird, ist eigentlich ein Schmarrn aus Vorurteilen und falschen Fokussierungen. Getragen wird der Text von einem veritablen Kulturrassismus und degradiert den Laden unfreiwillig zur unpolitischen Partyzone.

Noch bevor ein Blick auf den Text selbst einige bizarre Elemente erkennen lässt, stellt sich eine andere Frage: Warum überhaupt? Was soll ein Statement zum Verhältnis von Feierkultur, Sexismus und Ausländern, die – soviel darf wohl vorweggenommen werden – der Party scheinbar derbe zusetzen? In einem späteren Interview erklärt die Sprecherin des Plenums, man habe eine Diskussion anstoßen wollen. Als gäbe es die nicht längst. Seit fast einem Jahr werden gerade diese drei Themen mit unverhohlener Gier debattiert, wann immer irgendwer „Köln“ sagt. Und dass der Text nicht dazu angetreten ist, die selbst libidinös besetzte und von Stereotypen getragene Debatte auf andere, sachlichere und weniger pauschale Füße zu stellen, ist offenkundig. Generalisierende Urteile und ein altbekanntes „Wir gegen die“ hilft auch keiner Betroffenen sexueller Übergriffe. Doch der Reihe nach.

Der Text eröffnet mit einem Hinweis auf die schroffen Differenzen zwischen der kurzweiligen (und selbst ziemlich bizarren) Willkommenskultur – etwa am Münchner Hauptbahnhof – und seinem Kontrastbild: Dem sächsischen Mob. „Als Konsequenz dieser Entwicklungen“, heißt es weiter, „beschloss das Conne Island-Plenum, sich der ,Welle der Willkommenskultur‘ anzuschließen und den Laden aktiv für Geflüchtete zu öffnen.“ Ein linkes Projekt, das auf die abfällig „Bahnhofsklatscher“ betitelten Leute in München nur reagiert? Das dann erst seine Türen öffnet? Ohne Zweifel, Textanfänge sind schwierig. Aber schon dieser Einstieg wirkt, als habe sich ein ordentlicher Technoschuppen an seine fast vergessen geglaubte linke Kontur erinnert.

Am Anfang schien auch alles bestens: „Das fühlte sich gut an – schließlich wollten wir nicht hinter der sich vor Hilfsbereitschaft überschlagenden Zivilgesellschaft zurückstehen.“ Nochmal: Ein linkes (manche sagen linksradikales) Zentrum wird im Sommer 2015 von Ängsten geplagt, ein paar Gutmenschen am Bahnhof könnten ihm den progressiven Rang ablaufen. Kuchen, Kuscheltiere und Applaus lassen linke Gesellschaftskritik und Praxis blass aussehen. Nicht gerade ein herausragendes Arbeitszeugnis. Und die Anspielung auf Gefühle lässt bereits erahnen, was kommen wird: Als Mimikry eines Tabubruchs und unbedingter Ehrlichkeit sollen fortan Fakten folgen, die schmerzlich aber nötig das anfängliche Gefühl durchkreuzten. Den Duktus falscher Ehrlichkeit bespielen sonst vorrangig besorgte Bürger, die sich permanent in der Funktion wähnen, gegen die linke „Meinungsdiktatur“ die Wahrheit kundzutun.

Ganz im Stil eines Seelenstriptease, der sich eher für eine Selbsthilfegruppe geziemt, folgt das Eingeständnis der eigenen Naivität. Es habe nicht ausgereicht, auf Kommunikation zu setzten und die Grundsätze des Ladens unter die Leute bringen zu wollen. Und dann dreht der Text richtig auf: „Gruppen umherziehender Männer gehören wohl zu den meistgehassten und – unter Umständen -gefürchteten Menschengruppen vieler …“ usw. Das stimmt wohl. Doch war gerade noch davon die Rede, der eigenen Naivität auf die Schliche gekommen zu sein, ist nun eine Rolle rückwärts zu beobachten. Wer im aktuellen politischen Klima seit Köln und im Fahrwasser dessen, was fälschlich als „Flüchtlingskrise“ umschrieben wird, von „gefürchteten Männergruppen“ spricht, sollte nicht glauben, die Assoziationen mit einem verschachtelten Hinweis lenken zu können, dass die Nationalität der männlichen Subjekte zunächst egal sei. Das Kind ist längst im Brunnen und das überaus strapazierte Klischee nordafrikanischer Männerhorden mitsamt seiner rassistischen Färbung hat sich verfestigt. Alle Einschränkungen klingen wie vorgeschobene Floskeln, die es noch braucht, um sich wenigstens ein Stück weit vom Besorgtensprech zu distanzieren.

Die Tätergruppe ist also umschrieben, ob gewollt oder nicht. Fehlt noch, die Dramatik zu bebildern: „Wer bereits die Erfahrung einer ungewollten Berührung im Schritt oder eines umzingelnden, penetranten Antanzversuchs gemacht hat …“ heißt es weiter. All das ist nicht zu rechtfertigen oder irgendwie kleinzureden. Ein aufgeklärter Text allerdings, der sich bewusst weigert, Emotionen zu kitzeln, um stattdessen Argumente zu platzieren, vermeidet tunlichst solche Darstellungen. Selbst sexualisiert werden Instinkte bespielt, um die eigene Position am rechten Ort zu platzieren. MoPo, Stern und Bild nutzen solche Mittel gern. Und das vermeintliche Ansinnen des Opferschutzes wird im gleichen Moment einer bildlichen Inszenierung untergeordnet. Nicht zuletzt weil diese dichte Beschreibung einer unfreiwilligen Aktualisierung Vorschub leistet.

Nach einer kurzen Erklärung, was im Conne Island und in anderen Clubs in den letzten Jahren unternommen wurde, um Sexismus auszutreiben, gelangt der Text zu seinem dramaturgischen Höhepunkt – und zum inhaltlichen Tiefpunkt: „Die stark autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation in einigen Herkunftsländern Geflüchteter und die Freizügigkeit der westlichen (Feier-)Kultur bilden auch bei uns mitunter eine explosive Mischung.“ Schon der Anschluss an den Absatz davor ist geschwätzig: Es klingt, als seien all die Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte nun weggefegt worden von ein paar Geflüchteten. In Kombination mit dem Titel, der etwas nebulös von „zwei Schritten zurück“ spricht, drängt sich diese Deutung förmlich auf. So böse ist der Fremde also, so verheerend seine Anwesenheit, dass die linke Feierkultur fast schon in der Steinzeit erwacht. Die „explosive Mischung“ tut ihr Übriges, schließlich haben scharfe Metaphern Konjunktur – etwa Welle, Lawine oder Explosion.

Schlimmer noch als dieser möglicherweise missverständliche Übergang ist die schroffe, mithin besorgte Gegenüberstellung von Menschen mit „autoritär und patriarchal geprägter Sozialisation“ und unserer westlichen Feierkultur. Man könnte fast glauben, Carl Schmitt habe mitgewirkt, so frontal werden Freund und Feind in ihrem Wesen gegenübergestellt. Dieser Satz jedenfalls hätte (tauschen wir das Wort „Geflüchtete“ mit „Asylanten“) auch von einer Gida-Bühne schallen können. Dabei ist die Konfrontationsstellung, die hier bedient wird, das Grundmuster reaktionärer, kulturrassistischer Ideologie. Was genau soll eine „westliche Feierkultur“ sein? Nur wenig verbindet eine Techoparty im IfZ mit dem Oktoberfest, einer Absolventenfeier in Tübingen oder einer Fiesta im ländlichen Andalusien. Und wie genau müssen wir uns eine östliche Feierkultur vorstellen? Alle Frauen mit Burka und zu Füßen der Männer? Ein absurdes Stereotyp, das sich mit Fahrlässigkeit kaum erklären lässt. „Raving Iran“ heißt ein Film, der dieser Tage in den Kinos läuft, um nur ein Beispiel zu nennen. Die urbane Lebenswelt im Mittleren und Nahen Osten steht vielerorts der westlichen in nichts nach. Teheran war lange Zeit Zufluchtsort für Hipster und Hippies, denen der Westen zu öde, spießig und prüde war. Die Liste an Dingen, die dieses Bild des aufgeklärten Westens gegen den archaischen Osten fachgerecht zerlegen, ließe sich nach Belieben verlängern. Wer eine westliche Feierkultur klar erkennt und von östlicher unterscheiden kann (was zwangsläufig mitgedacht werden muss), der kann auch gleich vom Schwarzen Mann als Buschneger reden, der um’s Feuer tanzt.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der „autoritär und patriarchal geprägten Sozialisation“. Das mag für den Einzelfall stimmen, wird im Text des Conne Island allerdings im Modus der Sippenhaft vorgetragen. Als gäbe es keine anderen Gründe dafür, sich wie ein sexistisches Arschloch aufzuführen. Und ganz nebenbei werden alle Vorurteile perpetuiert, die seit viel zu langer Zeit hochkochen und Geflüchtete als ganze Gruppe abwerten. Entscheidend ist an dieser Stelle, dass aus einer Vielzahl von Verfehlungen und Übergriffen, die es jährlich im Conne Island gibt, einige zusammengebunden und gruppenbezogen verhandelt werden. Damit streift der Text nicht nur kulturrassistische Klischees. Er bedient sie vielmehr ausgiebig. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit beginnt immer dort, wo vom Einzelfall abstrahiert und vermeintliche Begründungsnarrative bei der Gruppe gefunden werden. Herzlich willkommen.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht hier nicht darum, auch nur einen sexistischen Fall zu relativieren oder zu leugnen. Allerdings sollte auch im Conne Island die Nachricht angekommen sein, dass Geflüchtete statistisch nicht krimineller oder sexistischer sind als Deutsche. Es bleibt zwar spekulativ, aber die Gruppe derer, die (mitunter mehrfach) Stress gemacht haben, dürfte vergleichsweise klein gewesen sein. Was den Schaden nicht mindert, aber die Beurteilung erheblich verändert. Nicht zufällig wird immer die gleiche Geschichte „krasser Gewalt“ erzählt, der ein Autodach zum Opfer gefallen war.

Die Naivität schließlich, mit der behauptet wird, die heftigen medialen Reaktionen nicht geahnt zu haben, ist ebenso wohlfeil. Nach der ersten Welle medialer Aufmerksamkeit hätte es die Möglichkeit gegeben, die Füße stillzuhalten und darauf zu vertrauen, dass im „Nachrichtenhochdruck“ andere Themen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber nein, der Unsinn dieses angeblich so ehrlichen Textes wird verteidigt und verteidigt. Dabei passiert es dann, dass auch noch dubiose Diebstähle, deren Verursacher unbekannt sind, in assoziative Ketten mit Geflüchteten eingebunden werden (wie bei Spiegel online geschehen). Und wieder wird ein Stereotyp bespielt, das von keiner Statistik abgebildet werden kann.

Es wäre fatal und albern, Probleme zu leugnen. Allerdings gibt es unterschiedliche Wege, diese zu beschreiben und zu bearbeiten. Das Conne Island ist mit diesem Statement auf den Zug der Opportunisten aufgesprungen, weil es so herrlich üblich und einfach ist, besonders die Herkunft von Tätern hervorzukehren und verantwortlich zu machen. Möglicherweise fühlt es sich zudem gut an, ein wenig im reaktionären Chor mitzuflöten, schließlich sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus tiefsitzende Reflexe, die es immer wieder im Zaum zu halten gilt. Wie sich das allerdings noch als progessiv-links verkaufen lassen soll, bleibt rätselhaft. Wenn sich der Wind nicht dreht, hat Leipzigs Süden bald neues Alpenmax. Und das wäre wahrlich ein Verlust.

  1. Differenzieren heisst, Unterschiede herauszustellen. Der Westen laesst sich vom Nicht-Westen nicht so klar abgrenzen wie ein Dreieck von einem Viereck. Aber er besitzt eine Geschichte und Attribute, auch solche, auf die es seine Feinde abgesehen haben.
    Einst sah sich das alte Griechenland als Westen (wider Persien), spaeter wurde Westeuropa (Niederlande, Frankreich, England, Irland) zum Westen, dann das damalige Einreiseland USA, dort die vermeitlich unbewohnten Gebiete im Westen, schliesslich firmierte der Westblock als Westen (und in „Go West“ von Village People das Gay-Mekka San Francisco). „Westen“ steht fuer eine Gesellschaftsformation, in der die individuelle Freiheit groesser ist als in anderen Gesellschaftsformationen (was nicht heisst, der Westen habe keine Verbrechen wider die Menschlichkeit und Freiheit verschuldet). Die DJs in dem oben genannten Film, die in ihrer Heimat die Fahne der westlichen Popkultur hochhalten (die uebringens nicht zum Besten gehoerte, was der Westen zu bieten hat), wandern schliesslich aus ihrer iranischen Heimat aus: nicht zufaellig Richtung Westen.
    Dass der Westen gehasst wird, darf als gutes Zeichen gelten, dass es ihn gibt: «Wenn ihr euch weiterhin so benehmt, wird morgen kein einziger Europäer, kein einziger Westler auch nur irgendwo auf der Welt sicher und beruhigt einen Schritt auf die Straße setzen können» (Erdogan). Vermutlich meint Erdogan damit auch die Westler in seinem eigenen Land.

  2. „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit beginnt immer dort, wo vom Einzelfall abstrahiert und vermeintliche Begründungsnarrative bei der Gruppe gefunden werden“
    Bitte bedenken, wenn ihr das nächste Mal über eure politischen Gegner urteilt!
    Wer bei Pegida mitläuft ist für euch doch ohne Einzelfallprüfung ein Nazi, der sich nur als „besorgter Bürger“ tarnt, oder?

    1. Ja und nein. Vorsicht ist auch dort geboten. Allerdings ist die Teilnahme bei Pegida freiwillig (vermutlich), was einen großen Unterschied macht. Da greifen dann Theorien der sozialen Identität.

    2. …es ist kein Wunder das Leute wie Trump gewählt werden, wenn man angesichts der offensichtlichen Richtigkeit des Statements von Conne Island solch einen theoretisch-verschwurbelten Dünnpfiff, wie von den Autoren hier abgesondert, liest.

      Ich frage mich wirklich was bei solchen Leuten schiefgelaufen ist, sich dermassen der Realität zu verschließen…

      1. Ach ja, die Realität. Nur ein Beispiel, gedacht als Einwand: Niemand käme auch die Idee, Verfehlungen einzelner „Einheimischer“ der ganzen deutschen „Kultur“ anzulasten. Nur weil jemand auf dem Oktoberfest Frauen begrapscht, kommst Du, Walter, nicht auf den Gedanken, dass nun alle Deutschen böse Sexisten sind. Bei Geflüchteten fällt Dir das unwahrscheinlich leicht. Aber das wirst Du nicht wahrhaben wollen, weil es nicht in Deine von falschen Kulturkreisannahmen getragene Idee von Realität passt. Die ist tatsächlich viel komplizierter als Du ahnst.

    3. Noch nicht gemerkt? Was für Rechte gilt, gilt für Linke noch lange nicht.

      Zweierlei Mass ist Markenzeichen der Teddybärenwerfer und Realitätsverweigerer. Es wurden ja jetzt auch Leute ins Berliner Abgeordetenhaus geschickt, die schlimmste menschenverachtende Aktionen abgezogen haben (Bomber Harris), aber das juckt ja keinen bei den Linken. Aber Brüderle MUSS ja wegen eines dümmlichen „Kompliments“ zurücktreten. Ich war selber mal Linker, aber diese verheuchelte Truppe ist für mich mittlerweile das Allerletzte.

      1. Mein Lieber Walterwalter, du kennst dich ja aus. Ein Linker allerdings warst du nie. Soviel ist wohl klar.

      2. Mich nervt eigentlich nur das genau diese bionadesaufenden, Latte Machiatto schlürfenden Wohlstandtöchter- und söhne die wahre Linke gekapert haben und uns wahren Linken (z.B. Wagenknecht) in ihrer borniert-arroganten Art kaputtmachen.

        Ja es ist wahr – wer das Gastrecht mißbraucht, muß dann eben gehen!

        PS: ich schreibe muß jetzt wieder mit ß, ich will ja keine Nazicodes verwenden. Noch so ein Ding. Was sich mittlerweile steuerzahlerbezahlte Institutsmitarbeiter leisten spottet jeder Beschreibung. Stasispitzel Kahane läßt grüßen. Aber egal, es st das Reden gegen Windmühlen.

    1. Berechtigter Einwand. Da war die Polemik über das Ziel hinausgeschossen. Die N-Wort-Diskussion ist leidlich und vor allem in diesem Kontext eine unnötige Nebenspur. Gutmensch allerdings muss man gar nicht so „besorgt“ verstehen. Würde ich jedenfalls nicht. Und dennoch: point taken und etwas Obacht für das nächste Mal.

  3. „Kulturrassismus“
    Es ist kein Rassismus, es sind keine Stereotypen. Es ist eine Masse an Menschen, denen ihr noch tolerant entgegenschau – ihnen eine Chance gebt, damit sie eben sehen wie es anders laufen kann – doch am Beispiel Conne Island sieht man wie es eben in den meisten Situationen abläuft.

    Ihr, wir – sind und waren tolerant und solidarisch, dass das diese Menschen aber nur soweit interessiert, wie sie etwas davon haben erkennt ihr nicht. Genauso wenig, wie Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe etc. stigmatisiert werden sollen, sollte man auch die Augen vor der Realität nicht schließen. Es tut mir nicht Leid so etwas zu sagen und ich schäme mich auch nicht dafür, aber dieser „Machokultur“ mit endloser Toleranz zu begegnen hat ungefähr die Glaubwürdigkeit der derzeitigen diplomatischen Beziehungen zwischen EU und dem Neu-Osmanischem Reich – den Arsch könnt ihr nicht ewig hinhalten, irgendwann ist er wundgefickt.

    PS.: Die rechten Vollpfosten danken euch für jeden Tropfen Öl, denn ihr mit euren sinnlosen Randale- und Hassaktionen ins Feuer gießt.
    PS.: Zu den Kommentatoren – Neger, Nigger, Negro. Heult doch. Es ist nur ein Wort. #fuckincucksgobacktotumblr

  4. Ich kann viele Eurer Punkte verstehen. Sprachlich unzulänglich und von der Analyse her verkürzt, war der Conne Island Text. Trotzdem glaube ich, dass der Text des Conne Island sein Berechtigung hat.

    Wenn ich daran denke, wie hilflos im Zusammenhang mit den mehreren Attacken auf die körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung im Rahmen der Oplatzbesetzung in Berlin durch weite Teile der Linken umgegangen wurde, weil die Täter_innen (inwieweit das gendergap hier Sinn ergibt…) refugees waren, kann ich mir die Lage des Conne Islands gut vorstellen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Attacken mit Messern und Eisenstangen auf Mitstreiter_innen, verbale und tätliche sexualisierte Übergriffe, die am Oplatz nicht die Ausnahme waren, bei den meisten linksradikalen Veranstaltungen und Protestformen, die ich in den letzten Jahren besucht habe, zum Abbruch und zu großen Auseinandersetzungen geführt hätten. Aufm Oplatz durften die Täter_innen aber weiter sprechen und agieren. Gründe dafür waren vielfältig. Auch die Täter_innen waren einer existentiellen Bedrohung ausgesetzt, der Oplatz war ja auch ihre Unterkunft. Die mediale Freude, wenn der Protest insich aus diesen Gründen zusammengebrochen wäre. Und – das glaube ich – auch, die Sprechortdiskussionen, wo nicht das Gesagte zählt sondern wer es sagt. Ergebnis war, dass sich die awaren (und politisch klugen) Menschen (refugges und nonrefugees) weitgehend zurückgezogen haben. Selbiges gilt auch für das Thema Antisemitismus, was ja jetzt augenscheinlich wird, weil Pali-Soligruppen massiv im refugee-Protest-Umfeld unterwegs sind.

    Im Zuge der Köln-Debatte habe ich mich über linksradikale Freund_innen geärgert, die mit einem launigen Verweis auf das Oktoberfest, ledigliche kritische Auseinandersetzung mit den Ereignissen ablehnten. Natürlich geht es nicht darum, wie die bürgerliche Presse ein populistisches Süppchen zu kochen, aber mit welcher Gleichgültigkeit über die Betroffenen gesprochen wurde… Auch als in der Sozialarbeit tätiger komme ich mit dem Thema in Berührung. Dabei ist es natürlich nicht so, dass Sexismus ein neues Phänomen wäre, was jetzt mit dem Anstieg der Asylbewerber_innenzahlen in die Arbeit gekommen wäre. Was mir aber auch bei mir selbst auffällt, ist, dass ich bei Nicht-Refugees deutlich klarer und direkter Sexismus anspreche und Konsequenzen folgen lasse, während ich bei Refugees deutlich zurückhaltender bin/war.

    Als Materialist denke ich im Übrigen, dass die gesellschaftlichen Umstände, in denen man lebt, einen prägen. Nicht ohne eigene Auseinandersetzungsmöglichkeit und Verantwortung aber trotzdem sind die nationalstaatlich organisierten Gesellschaften ja recht erfolgreich, ideologische Konstrukte in den Köpfen der Menschen zu verankern. Und ich denke auch, dass man recht objektiv sagen kann, welche Gesellschaften fortschrittlicher sind: die USA sind vermutlich fortschrittlicher als Deutschland was die Inklusion von Menschen mit Behinderung angeht und Deutschland was die soziale Absicherung von Arbeitslosigkeit angeht. Und ich denke, dass es keine Überraschung ist, wenn ich sage, dass in Afghanistan die Rechte der Frauen stärker eingeschränkt sind als in Deutschland. Und wie soll das die Menschen, die aus Afghanistan kommen, nicht prägen?

    Im Übrigen meine ich nicht, dass Menschen aus Afghanistan, die in meinem Umfeld sind, sich besonders sexistisch verhalten. Aber wenn ich mit ihnen diskutiere, tirfft allein schon die Idee, dass eine 60jährige Frau und nicht der 8jährige Sohn das Geld der Familie verwalten sollte, auf völliges Unverständnis (was auch im Übrigen nicht heißt, dass es vielleicht nicht doch die beste Lösung ist, auch wenn es dem Kind eine viel zu große Verantwortung aufbürdet). Genauso ist der Machismo in Uganda auch bei mir bekannten gay activists sofort präsent, wenn es ums Kochen geht. „Hey, in Afrika kochen Männer nicht“ wird mir eben nicht im Einzelfall erwidert sondern im Regelfall. Das ist doch nicht überraschend. Und das Ägypten z.B. ein massives gesellschaftliches Problem mit Gewalt gegen Frauen hat, ist auch kein Geheimnis. Wie wahrscheinlich ist, dass also alle Menschen, die in Ägypten groß geworden sind und nun in Deutschland leben, einen ausgesprochen respektvollen Umgang mit Frauen pflegen. Natürlich ist die Luft dünn, weil es schnell ins Stereotyp umkippt, aber so zu tun als würden uns gesellschaftliche Bedingungen nicht prägen, scheint mir unmaterialistisch zu sein.

    Im Clubs wie dem Conne Island kommt aber – und da habt ihr mit Eurem Text sicherlich recht – ein weiterer Faktor hinzu. Es treffen in den Clubs linksalternative, linksradikale, bauchlinke und angepasste Besucher_innen auf refugees, die in den Club kommen, nicht weil sie die „linke Feierkultur“ so toll finden, sondern weil in anderen Clubs sie nicht reinkommen oder rassistischem Stress ausgesetzt sind.

    Wenn nicht-refugees, die vielleicht ansonsten einen nicht-linken Club besuchen wollen, vor einer linken CLubtür stehen, werden die wegen ihrer Klamotten und ihres Auftretens nicht reingelassen (was natürlich auch viele völlig zu Unrecht trifft, Klassismus ick hör dir trapsen). Clubtüren versuchen ein homogenes resp. harmonisches Publikum in den Club zu lassen. Vielleicht sind die Männergruppen, die im Conne Island Streß gemacht haben, mit ihrem Verhalten, das in vielen anderen Leipziger Clubs gar nicht ungewöhnlich wäre, durch ihr Nicht-Weiß-Sein ins Conne Island gekommen, obwohl ihre weißen Pendants woanders feiern und deren Rassismus sie dort ausschließt. Nun treffen sie auf linke Strukturen und die Frage ist, ob man als linker Club andere Standards möchte.

    Zum Schluss auch noch eine andere Erfahrung, die mir, seitdem ich vermehrt mit nicht-weißen Menschen ausgehe oder in anderen Zusammenhängen zu tun habe, begegnet. Die Toleranz, ein bestimmtes Verhalten zu akzeptieren, ist gegenüber nicht-weißen Menschen deutlich geringer (obwohl auch klassenspezifische und andere Codes eine wichtige Rolle spielen). Dinge, die sonst als Anmache, die man entspannt ablehnen (Getränk ausgeben) kann und von denen man eventuell leicht genervt ist, werden bei Nicht-Weißen viel schneller als massiv übergriffig wahrgenommen. Auch da spielen Bilder in den Köpfen den Menschen einen Streich.

    Fürs Conne Island gäbe es für mich folgende Konsequenzen:
    Hausverbote aussprechen und durchsetzen, Sprachbarrieren durch mehrsprachiges Türpersonal überwinden und – wenn es wirklich ein Problem ist, dass sich Nicht-Asylbewerber_innen auf dem Nicht-Weiß-Ticket verbilligt zugang verschaffen, dann eben doch sich kurz den Ausweis zeigen lassen, müssen Studis bei Vergünstigungen auch machen, ist jetzt auch nicht das riesen Drama und man spielt nicht Polizei (schließlich ist es ja ein Club, wo man vergünstigt rein will und keine Straßenkontrolle).

    Der Gang in die Öffentlichkeit war ziemlich bescheuert, solange man nicht die naheliegenden Ideen ausprobiert hat. Trotzdem finde ich grundsätzlich auch in der Linken es angebracht, die Verschränkung von Sexismus und Rassismus zu diskutieren.

  5. Liebes blog,

    ich mag euch sehr und könnte der inhaltlichen Herleitung des Textes zustimmen. Leider kann ich das diesmal nicht, wenn ihr euch mit der politischen Gegnerin gemein macht. Begriffe wie „Gutmensch“ und das N-Wort gehören in keine Kritik. In keine!

    Auch finde ich es befremdlich, wenn ihr „dubiose Diebstähle“ aus einem anderen Text hier einbindet, das Conne Island de facto für (auch) diese Zuschreibung in Haftung nehmt.

    Angesichts des N-Worts fallen mir beste Grüße echt schwer. w

    1. Hallo, die Diskussionen zum „N-Wort“ werden verbissen geführt. Der Text nutzt es gewissermaßen als Zitat, also Kontrast. Als Verdeutlichung, wie Stereotype funktionieren. Ich bin nicht der Ansicht, dass eine Komplettzensur hilft, Rassismus zu vertreiben, nicht zuletzt weil Umschriften wie das „N-Wort“ nichts anderes machen, als das Wort aufzurufen. Als direkte Bezeichnung ginge es ohne Zweifel überhaupt nicht. Auf die Diebstähle wurde von der Sprecherin des Plenums im Gespräch mit dem Spiegel hingewiesen. Tenor: Vermutlich waren es die Geflüchteten, wir wissen es allerdings nicht. Das haben wir uns nicht ausgedacht. Und es steht in einem direkten Zusammenhang zum Text des Conne Island. Link ist ergänzt. Grüße

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