Kapitalismuskritik oder Werbung: Malte Reupert schlingert

Biomare_Weigerung_kleinAm Donnerstag soll eine Diskussionsveranstaltung zur Werbung von Biomare stattfinden. Malte Reupert hatte mich dazu eingeladen. Der Grund, warum ich dieser Einladung gefolgt bin, ist recht einfach benannt: Der Spruch weist weit über den Mikrokosmos eines wahrlich irrelevanten Bioladens (bzw. einer kleinen Kette von Läden) hinaus. Er führt zum Kern neoliberaler Ideologie und linker Praxisunfähigkeit. Nun hat Herr Reupert das Thema geändert und alle meine Argumente als „herablassendes Dozieren“ betitelt. Absagen werde ich dennoch nicht.

Nachdem ich eine kleine Kritik an Biomares Werbung geschrieben hatte, lief eine Diskussion zum Thema – überraschenderweise nicht völlig unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Darauf folgte Herrn Reuperts Einladung zur Veranstaltung (siehe Screenshot).

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Es ging explizit um seine Kampagne. Als ich kurze Zeit später die Ankündigung an seinem Laden sah, habe ich mich gewundert, wo plötzlich die thematische Verschiebung herkommt. Aus einer Diskussion zum Plakat mit dem Slogan „Der Kapitalismus ist deine Weigerung, es besser zu machen“ wurde ein Veranstaltung zur Frage, wie kapitalistisch Bioläden sein müssen oder sollen. Das sind zwei Paar Schuhe. Und weil ich auf diese Diskrepanz der Veranstaltungseinladung bei Facebook angespielt habe (siehe Screenshot), polterte der Inhaber von drei Läden: „Oh Mann, Robert Feustel, den Titel/das Thema hab ich Dir doch schon in der allerersten Einladung geschickt…. wozu hast Du das nötig?“

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Die Frage, wie kapitalistisch Bioläden sein müssen oder sollen, ist eher langweilig. Und dass es sich um eine guerillamäßige Werbestrategie handelt, fällt ebenfalls auf. Und dennoch ist im Thema Musik. Im Vorfeld jedenfalls ist nicht zu bemerken, dass es ein ernsthaftes Interesse gibt, die politische Dimension zu vermessen. Wir werden sehen.

  1. Wenn Hr. Reupert ernsthaft mit den Leuten ins Gespräch kommen will, die sein Konzept kritisieren, dann sollte er sie nicht beleidigen, indem er versucht, ihnen Antikapitalismus zu verkaufen und ihnen Vorwürfe macht, weil sie (deswegen!) nicht bei ihm einkaufen. Er sollte mal ergebnisoffen an die Sache herangehen und einfach zugeben, daß er kapitalistisch agiert. Das machen meistens auch alle anderen. Wo ist das Problem? Es behauptet doch auch keiner, Essen im veganen Imbiß und Einkaufen beim Bio-Bäcker oder im „autonomen“ Späti würden den Kapitalismus abschaffen! Würde sich Hr. Reupert nicht seinen eigenen, ganz persönlichen Kapitalismusbegriff schaffen und seine Produkte nicht mit „(Anti-)Kapitalismus“ bewerben, sondern mit „Geschmack“, „Umwelt“, „Gesundheit“ oder meinetwegen auch „fairen Löhnen“, dann wäre die Situation viel entspannter.

  2. Auch die Frage, was politisch ist, kann man durchaus unterschiedlich beantworten. Entscheidend sind für mich Ergebnisse. Reden kann jeder.
    Politik ist also das Verändern der Verhältnisse und die Suche nach Wegen dahin.
    Wohin die Suche nach Sündenböcken für die eigene Misere führt, steht schon in der Geschichte von Kain und Abel…

  3. Ich sehe da ehrlich gesagt keine Themenverschiebung: Malte wollte und will noch immer mit den Leuten ins Gespräch kommen, die ihm die Scheiben einwerfen uo mit diesen sympathisieren. Am Ende der Diskussion steht im besten Falle mehr Verständnis und Akzeptanz für den Lebensentwurf des anderen. Und vielleicht sogar irgendeine Form der Annäherung.
    Ich finde, hier gibt sich jemand viel Mühe. Er könnte auch einfach anderswo sein Geld verdienen, wo die Nachbarn weniger zicken. das tut er nicht, er sucht den Dialog und das ziemlich transparent. Ich bin von der Entwicklung der Story jedenfalls sehr begeistert und hoffe, dass alle ihr Bestes geben, um in der Sache endlich mal Frieden zu stiften.

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